Lexikon der Filmbegriffe

Non-traditional casting

In den späten 1970er und frühen 1980er Jahren entstand in den USA eine Bewegung, die nach Strategien suchte, um sich gegen Rassismus und Benachteiligung insbesondere Behinderter in der Besetzung von Theaterstücken und in Film und Fernsehen zur Wehr zu setzen. 1986 wurde das Non-Traditional Casting Project (NTCP) gegründet – ein Non-Profit-Verband, der die Interessen der verschiedenen in den USA lebenden Rassen, aber auch von körperlich und geistig Behinderten gegenüber der Theater- und Medienindustrie vertritt. Das Anliegen mündet in der Forderung, in der Vielfalt der Besetzungen die Vielfalt der äußeren Gesellschaft widerzuspiegeln. Non-traditional casting darf darum weder mit Fehlbesetzung noch mit einer Besetzung gegen den Rollentypus, den ein Schauspieler vertritt (against type casting), verwechselt werden. Trotz der zahlreichen Aktivitäten von NCTP sind Beispiele, an denen man explizit eine nichttraditionelle Besetzung aufzeigen könnte, rar; ein Fall ist die Rolle, die der schwarze Schauspieler Morgan Freeman als Gott in Bruce Almighty (2003) spielt.
Gleichwohl die eingeforderte Gleichberechtigung keine Doktrin der Casting-Agenturen geworden ist, hat sich dennoch die Bereitschaft, nicht dem Idealtyp entsprechende Akteure in Filmen einzusetzen, verändert – wohl auch als Auswirkung einer umfassenden Aufweichung der gesellschaftlichen Ausgrenzungsbereitschaften. Verwiesen sei auf diverse nicht-amerikanische Filme wie Le huitième Jour (1996), in dem ein Mongoloider die Hauptrolle spielt, oder auch den deutschen Film Verrückt nach Paris (2002), in dem drei geistig und psychisch Behinderte die professionellen Mit-Akteure geradezu an die Wand spielen.


Artikel zuletzt geändert am 17.09.2012


Verfasser: JH


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