Lexikon der Filmbegriffe

Kultfilm

Anders als der Blockbuster, der ein großes heterogenes Publikum zu binden versucht, versammeln sich um Kultfilme subkulturelle Gemeinschaften, die den Kultfilm als Ausdruck einer gemeinsamen ästhetischen, stilistischen oder politischen Haltung ansehen. Entgegen der großen thematischen und stilistischen Heterogenität der Kultfilme zeichnen sie sich durch die gemeinsame Qualität der Grenzüberschreitung aus – als Verletzung von Tabus (wie in Freaks), als geschmacklose Zerstückelung des Körpers (wie im Splatterfilm) oder als Revolte gegen ästhetische Normen (wie in den Filmen von John Waters). Kultfilme gehören in die Nähe solcher popkulturellen Stiltendenzen wie „Camp“. Easy Rider, die Rocky Horror Picture Show, „Midnight Movies“ wie Night of the Living Dead oder The Texas Chain Saw Massacre entfalten im Extremfall jeweils eigene Fankulturen, eigene symbolische Praxen, sie inszenieren das Publikum, das sich in der Rezeption ausstellt und feiert.
Ein Beispiel für die kulturelle Differenz von Kultfilmen und die in ihnen realisierten Wertvorstellungen ist der britische Clown und Komödienregisseur Norman Wisdom, dessen sentimental-familienorientierte Filme im kommunistischen Albanien Kultstatus besaßen und der neuerdings auch in England nostalgische Verehrung auf sich zieht.

Literatur: Jankovich, Mark (ed.): Defining cult movies. The cultural politics of oppositional taste. Manchester [...]: Manchester University Press 2003. – Telotte, J.P.: The cult film experience: beyond all reason. Austin: University of Texas Press 1991.

Referenzen:

Camp

midnight movie

psychotronischer Film


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: HJW


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