Lexikon der Filmbegriffe

Scene-stealing


auch: chewing up the senery

Normalerweise ist die Inszenierung von Szenen ganz darauf ausgerichtet, die Protagonisten im Zentrum der Aufmerksamkeit zu halten. Gelegentlich aber kommt es vor, dass eine einzelne Figur, manchmal auch eine kleine Gruppe von Figuren mit ihrem Auftritt, ihren Aktionen oder Dialogen den eigentlich zentralen Charakter aus diesem Zentrum herausstößt (ihm „die Schau / die Show stiehlt“). Oft handelt es sich dabei um Nebenfiguren, die ungewöhnlich und ungebührlich breiten Raum einnehmen und die sich meist als Cameo-Auftritte namhafter Schauspieler herausstellen (so, wie Tim Curry als „Darkness“ inLegend, 1985, oder John Gielgud als der Butler Hobson in Arthur, 1981, auftreten). Ein außerordentlich komplizierter Fall findet sich in TruffautsDomicile conjugale (1970): In einer Szene auf einem S-Bahn-Bahnsteig kommt Jacques Tati in der Rolle des M. Hulot auf den Bahnsteig, zieht jegliche Aufmerksamkeit auf sich, wartet auf den einfahrenden Zug und betritt ihn – tatsächlich handelt es sich um den Schauspieler Jacques Cottin, der Tati als Hulot spielt. Die Auffälligkeit des scene-stealing deutet darauf hin, dass die Verteilung der Rollen einem Relevanz-Schlüssel folgt und dass die „Ordnung der Rollen“ in aller Regel nicht irritiert werden sollte. 
 


Referenzen:

Rolle: Rollentypen nach dramatischer Relevanz


Artikel zuletzt geändert am 19.07.2011


Verfasser: HJW


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