Lexikon der Filmbegriffe

Agfa / Agfa-Gevaert

1873 wurde die Actien-Gesellschaft für Anilin-Fabrication in Berlin gegründet. Seit den 1880er Jahren war die Herstellung chemischer Produkte für den Fotografie-Bedarf einer der wichtigsten Produktionszweige. 1897 wurde „AGFA“ als Warenzeichen geschützt. 1903 bringt Agfa erste Kinefilme auf den Markt; 1909 begann die Produktion von Rohfilm in der 1908 erbauten Filmfabrik in Wolfen. 1925 fusionierte eine ganze Reihe von Betrieben – unter ihnen auch Agfa – zur I.G. Farbenindustrie AG. Insbesondere die Bayer-Werke Leverkusen erweiterten die photochemische Potenz der Firma – in Leverkusen wurden Fotopapiere hergestellt, in den Münchner Werken von Bayer Kameras für Fotoamateure. Die Erfindung des Agfacolor-Farbfilmverfahrens in den frühen 1930er Jahren unterstrich die Weltgeltung des Konzerns. In den Kinos lief 1941 der Agfacolor-Film Frauen sind doch bessere Diplomaten – der erste Spielfilm der Welt nach dem Farb-Negativ-Positiv-Verfahren.


Nach 1945 wurde der I.G.-Farben-Konzern entflochten: Die Filmfabrik in Wolfen wurde zunächst unter sowjetischer Führung weitergeführt, 1953 dann in VEB Filmfabrik AGFA Wolfen umgetauft. Im Westen entstand die neue AGFA AG. 1964 kam es zum endgültigen Bruch zwischen den West- und den Ost-Teilen der Firma, die Ost-Produkte firmierten von nun an unter dem Label „Orwo“. Schon in den 1950er Jahren hatte AGFA in München und Leverkusen eine eigene Rohfilmproduktion aufgezogen, 1949 begann man mit der Herstellung von Magnetfilm. 1964 fusionierte Agfa mit dem belgischen Rohfilmhersteller Gevaert, der 1894 in Antwerpen gegründet worden war, zu der neuen AGFA-Gevaert NV mit Sitz in Mortsel (in Belgien). Erst in den 1970er Jahren wurde die Produktion vom Agfacolor- auf das Eastmancolor-Verfahren umgestellt. 1981 kommt AGFA unter das Dach der Bayer-AG, 1999 erfolgt der Börsengang; seitdem sind Bayer (30%) und Gevaert (25%) die größten Aktionäre der AGFA AG. Seit 1995 hat die Firma ihr Angebot radikal umgestellt. Die Rohfilmproduktion ist – vom Fotosektor abgesehen – nahezu eingestellt worden, dafür hat sich AGFA intensiv um die neuen elektronischen Bildaufzeichnungs- und Bildverarbeitungsverfahren bemüht (Videomaterial, Scanner etc.).

Literatur: Karlsch, Rainer: Von Agfa zu Orwo. Die Folgen der deutschen Teilung für die Filmfabrik Wolfen. Wolfen: Vorstand der Filmfabrik Wolfen 1992.
 

Referenzen:

Agfacolor

Gevaert

Orwo


Artikel zuletzt geändert am 04.01.2012


Verfasser: JH


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