Lexikon der Filmbegriffe

Ästhetik des Schreckens

In ähnlicher Gestalt gibt es mehrere Augenblickswendungen – etwa Ästhetik des Hässlichen, Ästhetik des Schreckens oder Schreckromantik

Eine ästhetische Gestaltungsform (= Produktästhetik) und Rezeptionsweise (Angstlust), die sich gegenseitig bedingen und dadurch gekennzeichnet sind, dass im normalen Leben bedrohliche Ereignisse (Verbrechen, Abenteuer, Gewalt, Katastrophen) im künstlerischen Rahmen zur Quelle ästhetischen Vergnügens wird. Kunst und Literatur amalgamieren mit Gewalt und Aggression und schaffen gerade darin spezifische Bedingungen für die ästhetischen Prozesse, die sie eröffnen. Die Ästhetik des Schreckens durchzieht Kunst und Malerei (Bacon), das Theater der Grausamkeit erobert die Bühnen (Artaud), die Liebe empfängt ihre Motive und Impulse seit den antiken Tragödiendichtungen aus Aggression und Gewalt. Die Suche nach Amusement und Nervenkitzel dient der Zerstreuung und Kompensation (Kartharsis), fungiert aber auch als Tabubruch gegen eine traditionelle Ästhetik des Schönen, Wahren und Guten, im 20. Jahrhundert fortgeführt als Dialektik von Massen- versus Hochkultur. Karl-Heinz Bohrer hat das Konzept mehrfach vorgestellt. Seine Absicht war es, Gewalttätigkeit und Gewaltphantasien rein formal zu deuten, sie als Stilmittel der Ästhetik auszuweisen und sie so aus inhaltlichen oder wirkungsästhetischen Deutungen, aus moralischen, psychoanalytischen und anthropologischen Bewertungskriterien herauszulösen.

Literatur: Karl-Heinz Bohrer: Die gefährdete Phantasie, oder Surrealismus und Terror. München: Hanser 1970. – Ds.: Die Ästhetik des Schreckens. Die pessimistische Romantik und Ernst Jüngers Frühwerk. Frankfurt: Ullstein 1983.
 

Referenzen:

cinéma brut

cinema of cruelty

cinema of evil

Gore-Film

Grand Guignol

Theater der Grausamkeit


Artikel zuletzt geändert am 30.01.2012


Verfasser: KJ


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