Lexikon der Filmbegriffe

Dreiakter / Dreiaktstruktur

engl.: three act structure; auch: standard structure; gelegentlich: three act restorative structure

Sowohl als dramaturgisches Untersuchungskriterium wie auch als Paradigma des (idealen) Drehbuchaufbaus stellt die Dreiaktstruktur einen der zentralen Grundpfeiler der Drehbuchtheorie dar. Mit Bezug auf die – in der aristotelischen Dramenpoetik (insbesondere in der Tragödie) als Grundform ganzheitlichen Erzählens bezeichnete – Triade „Anfang, Mitte und Ende“ wird die Dreiaktstruktur als komprimierte Form des in den normativen Dramaturgien des 19. Jahrhunderts beschriebenen Fünfakters verstanden: Protasis (Einleitung, Exposition), Epitasis (Verwicklung, steigende Handlung mit Höhepunkt und Peripetie) und Katastrophe oder Lösung - etwa entsprechend dem kanonischen Geschichtenformat „Exposition, Konfrontation, Auflösung“ oder Hegels Denkschema von These, Antithese und Synthese. Die manifeste Handlung (plot) wird – in Anlehnung an die geschlossene Form des Dramas – als figurenzentrierte, kausallogische Konfliktstruktur verstanden, die sich in klar unterscheidbare Sinnabschnitte (Akte) gliedert; die einzelnen Aktivitäten des oder der Protagonisten definieren sich als Problemlösungsversuche im Hinblick auf die Bewältigung des Makrokonflikts und/oder das Erreichen eines Handlungsziels. Jeder Akt ist textsequentiell wie dramaturgisch und inhaltlich als geschlossene kausallogische Erzähleinheit – gemäß des handlungsfunktionalen Schemas „Exposition, Konfrontation, Auflösung“ – zu verstehen; die Erzählzeit der drei Akte (bzw. Aktlänge) soll im Verhältnis 1:2:1 stehen. Die Entwicklung vom Fünf- zum Vier- und schließlich zum Dreiakter in populären Lustspielen sowie deren Adaption auf die Filmdramaturgie ist diffus: Mangelnde kreatürliche Fähigkeiten der Autoren in Bezug auf die dramaturgisch komplizierte Fünfaktstruktur werden ebenso genannt wie die Rezeptionsgewohnheiten und -bedürfnisse des Publikums. 

Literatur: Aristoteles: Poetik. Übers. u. hrsg. von Manfred Fuhrmann. Stuttgart: Philipp Reclam 1982. Zuerst 1863. – Eder, Jens: Dramaturgie des populären Films. Drehbuchpraxis und Filmtheorie. Münster/Hamburg: Lit 1999 (Beiträge zur Medienästhetik und Mediengeschichte. 7.). – Field, Syd / Märthesheimer, Peter / Längsfeld, Wolfgang: Drehbuchschreiben für Fernsehen und Film. Ein Handbuch für Ausbildung und Praxis. 3., aktual. Auflage. München: List 1990. – Freytag, Gustav: Die Technik des Dramas. Berlin: Autorenhaus Verlag 2003. – Müller, Gottfried: Dramaturgie des Theaters und des Films. Würzburg: Konrad Triltsch 1941. – Thompson, Kristin: Storytelling in the New Hollywood. Understanding classical narrative technique. Cambridge/London: Harvard University Press 1999, S. 21-42.
 

Referenzen:

Vierakter / Vieraktstruktur


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: DR


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