Lexikon der Filmbegriffe

Film Europa

Die überwältigende Hegemonialstellung Hollywoods führte in Europa in den 1920er und 1930er Jahren zu einer Doppelstrategie. Durch die Verabschiedung von Quotengesetzgebungen wollte man einerseits die nationalen Märkte schützen, andererseits versuchte man, mit Hollywood zu konkurrieren, indem man verstärkt mit anderen europäischen Ländern kooperierte. Das Label „Film Europa“ bezeichnete diese Bestrebungen nach vermehrter Zusammenarbeit mit dem Ziel eines europäischen Kartells, welches durch Bündelung der Ressourcen ein Gegengewicht zur Vormachtstellung Hollywoods schaffen sollte. Die Impulse kamen von Seiten der Filmwirtschaft selbst. Maßgeblich beteiligt waren vor allem Deutschland, England und Frankreich. Obwohl es nie zur Schaffung einer gemeinsamen Interessenvertretung ähnlich dem US Office of Motion Picture Producers and Distributers Association (MPPDA) kam, führten eine Reihe von Konferenzen in Paris (1923, 1926 und 1929), Berlin (1928) und Brüssel (1930) zu einer verstärkten Zusammenarbeit und zahlreichen inter-europäischen Geschäftsbeziehungen, die u.a. bei der Produktion von Mehrsprachenversionen oder dem Austausch von Personal (man denke u.a. an die Karriere von Alfred Hitchcock, der bei der Münchener Emelka beschäftigt war) deutlich zu Tage traten. Für die partielle Realisierung des Film-Europa-Projekts war u.a. Erich Pommer wichtig, aber auch Pressburgers und Rabinowitschs Allianz-Film. Der Aufstieg der polyglotten Lilian Harvey war ganz eng mit der Produktion von von Mehrsprachenversionen als Teil der Film-Europa-Idee verknüpft. 

Literatur: Higson, Andrew / Maltby, Richard (eds.): “Film Europe” and “Film America. Cinema, Commerce and Cultural Exchange 1920-1939. Exeter: Exeter University Press 1999.


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: THO


Zurück