Lexikon der Filmbegriffe

rape-revenge-film

auch: Rape and Revenge-Film, rape-revenge movie

Filme, in denen die Vergewaltigung einer oder mehrerer Personen (zumeist einer Frau) dargestellt wird, für die sich später diese selbst oder deren Freunde, Angehörige oder Hinterbliebene gewalttätig unter Ausübung von Selbstjustiz rächen. Dabei steht die Vergewaltigungsaktion in direktem kausalen Zusammenhang und zeitlich nah zur Rachereaktion und ist dadurch von anderen Selbstjustiz-Stoffen (etwa Falling Down, USA 1993) zu unterscheiden.
Die Erzählung von Rape-Revenge-Filmen ist vor allem am Affektübertrag auf den Zuschauer interessiert: Im Rape-Teil sollen Hass- und Rache-Gefühle evoziert werden, die dann im Revenge-Teil befriedigt werden. Aus diesem Grund unterliegen Rape-Revenge-Filme auch dem Vorwurf der „Verherrlichung von Selbstjustiz“ und damit oft der Zensur – obwohl etliche von ihnen eine durchaus ambivalente Haltung zu dieser Form der Rache abbilden.
Filmhistorisch lässt sich das Sujet nicht auf eine Quelle fixieren. 1960 entdeckt Ingmar Berman das Motiv mit Die Jungfrauenquelle (Schweden 1960) für den Film, welcher selbst auf der Lieddichtung Töres Töchter in Vänge aus dem 13. Jahrhundert basiert. Seither sind etliche Rape-Revenge-Filme erschienen. Die bekanntesten unter ihnen sind: The Last House on the Left (USA 1973), I spit on your Grave (USA 1978), Death Whish (USA 1974), Mother‘s Day (USA 1980), Ms. .45 (USA 1981), Baise-moi (Frankreich 2000) und Irreversible (Frankreich 2002).

Literatur: Clover, Carol: Getting Even – Rape and Revenge in I Spit On Your Grave and The Accused. In: Sight and Sound 2,1, 1992, S. 16-18. – Köhne, Julia / Renz, Tilo: And the Road Lead to Nowhere. Die Jungfrauenquelle und Last House ont the Left als Transformationen. In: F.LM – Texte zum Film, 1, 2003, S. 41-49. – Höltgen, Stefan: Vergewaltigung und Vergeltung: Film, Zuschauer und Zensur im Simulationsraum der Gewalt. In: Ästhetik und Kommunikation, 125, Frühjahr 2004, S. 39-46. – Read, Jacinda: The New Avengers: Feminism, Femininity and the Rape-Revenge Cycle. Manchester: Manchester University Press 2000.
 

Referenzen:

female rape-revenge film

femme castratrice


Artikel zuletzt geändert am 24.08.2014


Verfasser: SH


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