Lexikon der Filmbegriffe

Festival

Zwar hatte es schon im Mittelalter Mysterienspiele und manchmal tagelang währende Kostümspiele gegeben, doch wurde die Idee des modernen „Festivals“ von Richard Wagner für Bayreuth und Hugo von Hofmannsthal und Max Reinhardt für Salzburg aus der Taufe gehoben. Vorläufer der Filmfestspiele waren die Filmpräsentationen auf den Weltausstellungen und auf der Berliner „Kino- und Fotomesse“ sowie manche Tradeshows der Filmindustrie, die sich aber oft unmittelbar an das Kinogewerbe wandten und zudem am Verkauf von Lizenzen orientiert waren (die großen Festivals haben einen für das allgemeine Publikum unzugänglichen „Trade-Bereich“ bis heute behalten und tragen darum auch den Charakter von Verkaufs- und Handelsmessen). 1932 wurden – analog zur Kunstbiennale – die Filmfestspiele Venedig gegründet, die von französischer und deutscher Filmindustrie dominiert waren. Die Festspiele in Cannes waren 1939 als Gegengewicht gegen diese Veranstaltung gedacht worden, konnten – des Krieges wegen – aber erst ab 1946 durchgeführt werden. Danach entstanden in rascher Folge weitere Festivals – 1946 in Karlsbad, 1948 in Locarno, 1951 in Berlin. Die erste spezielle Veranstaltung für Kurzfilme fand 1949 im belgischen Knokke statt; die „Kurzfilmtage Oberhausen“ folgten 1954. Die politischen und ästhetischen Umbrüche der 1960er Jahre fanden Echo zum einen in Schwerpunktprogrammen, die in die laufenden Festivals integriert wurden (Forum des jungen Films, Berlin, seit 1971); zum anderen wurden einige neue Festivals gegründet wie die Hofer Filmtage (seit 1967) oder die „Hamburger Filmschau“ (seit 1968), die dem neuen Autorenkino gewidmet waren. In den 1980er Jahren wurde eine Fülle von spezialisierten Festivals gegründet – zum Genrekino oder zu politischen Inhalten, zu nationalen oder zu thematischen Schwerpunkten. Manche dieser Festivals genießen internationales Ansehen (wie das Sundance Festival).
Festivalkultur ist Eventkultur. Darum auch gehört die öffentliche Zelebrierung der Stars und personalities zur Durchführung dazu. Viele Festivals tragen Wettbewerbe aus und krönen die Sieger mit werbewirksamen Preisen (am bekanntesten: der Berliner Bär, die Goldene Palme in Cannes, der venezianische Löwe), wobei die Wettbewerbsveranstaltungen ebenso wie die Preisverleihungen zu den glamourösen Inszenierungen der Industrie zählen und Gegenstand der Tagespresse sind. Zum festen Bestandteil vieler Festivals gehört heute auch eine Sektion „Retrospektive“, in der filmhistorische Programme gezeigt werden (zu Genres, Filmschulen, Personen und ähnlichem).

Literatur: Samlowski, Wolfgang (Hrsg.): International Guide Film-Video-Festivals. 13. Ausg. Berlin: Vistas 2004. Seit 1991. – Jungen, Christian: Hollywood in Cannes. Marburg: Schüren 2008.
 

Referenzen:

A-Festival

Berlinale

Cinema ritrovato, Il

Festival

Cannes

Mostra Internazionale d`Arte Cinematografica

Nordische Filmtage Lübeck


Artikel zuletzt geändert am 29.01.2012


Verfasser: HJW


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