Lexikon der Filmbegriffe

Intertext

Im Rahmen des Konzeptes der Intertextualität bezeichnet der Begriff Intertext die Universalkategorie einer umfassenden Zusammengehörigkeit aller Texte im Gegensatz zur konkreten Einzelerscheinung, die sich im spezifischen Verhältnis von Text zu Text offenbart. Wesentlich ist in dieser Hinsicht nicht der Bezug zwischen Text, Autor und Rezipient, sondern vielmehr die allgemeine Möglichkeit eines freien (oder auch determinierten) Spiels, das sich in der exklusiven Beziehung aller Texte zueinander ausdrückt. Mit dem Begriff des Intertextes geht man in der vergleichenden Interpretation deswegen von einem grundsätzlich unbegrenzten Rückbezug der Texte zu einem universalen symbolischen Verweisungs- und Bezugnahmezusammenhang aus, der sie betrifft – also mit Bedeutung auflädt – und der gleichzeitig durch sie hervorgebracht wird. Dies eröffnet in filmwissenschaftlicher Hinsicht die Möglichkeit, etwa die üblichen Gattungs- oder Genrebegriffe, nach denen Filme klassifiziert sind, in intertextueller Hinsicht zu deuten.
Im Unterschied zu diesem Universalmodell von „Bezugnahme“ sind mit dem Begriff Intertext aber auch folgende Konkretionen denkbar: (1) In produktionspragmatischer Hinsicht: Einen Zwischentext aus der Beziehung separater Texte abzuleiten, kann sich aus einem funktionalen Zusammenhang ergeben. Dazu zählen etwa die Drehbücher von Literaturverfilmungen. Ihre Aufgabe, ein textueller Schritt der medialen Übersetzung zu sein, weist sie als Intertext zwischen Filminszenierung und Literaturvorgabe aus. (2) In rezeptionspragmatischer Hinsicht: Ein Intertext ist als pure Kategorie der vergleichenden Rezeption denkbar. So entfaltet sich der parodistische Sinn einer Inszenierung erst in der Kenntnis ihres Ausgangstextes. Der entsprechende Intertext entsteht in diesem Zusammenhang als Lesart bzw. Leseleistung (im Kopf) der Rezipientenschaft. (3) In abstrakter Hinsicht: Mit dem Begriff des Intertextes beruft man sich im gegebenen Fall auch auf eine paradigmatisch wirksame Kategorie, die sich auf das konkrete Verhältnis zweier Texte bzw. Filme bezieht oder aber aus ihnen hervorgeht.

Literatur: Pfister, Manfred: Konzepte der Intertextualität. In: Intertextualität. Formen, Funktionen, anglistische Fallstudien. Hrsg. v. Ulrich Broich u. Manfred Pfister. Tübingen: Niemeyer 1985, S. 1-30.

Referenzen:

Intertextualität

Transtextualität


Artikel zuletzt geändert am 19.01.2012


Verfasser: JSC


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