Lexikon der Filmbegriffe

Pazifismus im Film

von lat. pacificus = friedliebend

Der politische Pazifismus, der nach den napoleonischen Kriegen zuerst Gesicht bekam, fand in Figuren wie der österreichischen Schriftstellerin Bertha von Suttner, dem französischen Sozialisten Jean Jaurès oder dem Gründer des Roten Kreuzes Henri Dunant vor dem ersten Weltkrieg wichtige künstlerische und agitatorische Leitfiguren - die Gründung der Deutschen Friedensgesellschaft (DFG) 1892, die Einrichtung des Friedensnobelpreises, Rotes Kreuz und Diskussionen über den Völkerbund waren deutliche Antworten auf die zunehmende Militarisierung und die Hegemonialpolitik der Kolonialmächte. Der Eintritt in den Weltkrieg wurde vor allem in Dänemark (Ned med Vaabnene! dt.: Die Waffen nieder!, 1914, Holger Madsen – das Buch hatte Carl Theodor Dreyer nach dem Roman Die Waffen nieder! von Bertha von Suttner geschrieben) und in den USA mit einer ganzen Reihe explizit pazifistischer Filme beantwortet (The Battle Cry for Peace, USA 1915, J. Stuart Blackton; War Brides, USA 1916, R. Herbert Brenon; auch die zeitgenössische Rezeption von Griffiths Intolerance, 1915, stand wohl unter antimiltaristischen Vorzeichen), bis auch in diesen Ländern patriotische Stimmungen überhandnahmen. Die erschütternde Erfahrung des Weltkrieges artikulierte sich schnell im Kino – Filme wie Shoulder Arms (1917, Charles Chaplin), J‘Accuse (1919, Abel Gance), The Big Parade (1925, King Vidor) oder Niemandsland (1931) von Victor Trivas nach einem Entwurf des engagierten Pazifisten Leonard Frank nahmen die Themen auf, die in der explizit pazifistischen Weltliteratur in den 1920er und 1930er Jahren ausgearbeitet wurden. Erich Maria Remarques Im Westen nichts Neues (1929; 1932 verfilmt von Lewis Milestone; Remake 1979), Ernst Johannsens Vier von der Infanterie (1929; unter dem Titel Westfront 1918 von G.W. Pabst 1930 verfilmt), Humphrey Cobbs Paths of Glory (1935; 1957 von Stanley Kubrick verfilmt) und Dalton Trumbos Johnny Got His Gun (1939, verfilmt 1971) artikulierten das Programm eines radikal antimilitaristischen Kinos, das den Schrecken des Krieges anklagt und als „Antikriegsfilm“ gegen die Propagierung von Patriotismus-, Männlichkeits- und ähnlichen Werten im Kriegsfilm gestellt ist. Diese Filme etablierten die Themen des Antikriegsfilms bis in die Gegenwart. (HJW)

Literatur: Dooley, Roger: From Scarface to Scarlett. American films in the 1930s. New York/London: Harcourt Barce Jovanovich 1979, 581-591. – Walsh, Jeffrey: American war literature 1914 to Vietnam. London/Basingstoke: Macmillan 1982.

Referenzen:

Antikriegsfilm

Kriegssatire I

Kriegssatire II


Artikel zuletzt geändert am 08.02.2012


Verfasser: HJW


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