Lexikon der Filmbegriffe

Aurikularisation

auch: Aurikularisierung

François Jost bezeichnet als „Aurikularisation“ (frz. auricularisation) die „Perspektive des Tons“ (point de vue sonore) im Sinne seiner Hörbarkeit für die Filmfiguren. „Null-Aurikularisation“ liegt vor, wenn der Ton im Bildraum zu hören sein muss, obwohl er nicht die Aufmerksamkeit der Figuren im Bild erregt. Null-Aurikularisation beruht auf Koreferentialität zwischen Bild und Ton. So kann Jazz-Musik in einem Nachtlokal erklingen, ohne dass die Tonquelle zu sehen ist und ohne dass jemand im Bild sichtbar auf die Musik reagiert. Dennoch ist anzunehmen, dass die Musik vor Ort zu hören ist. Wird die Hörbarkeit des Tons in der erzählten Welt nicht nur durch Koreferentialität verdeutlicht, dann handelt es sich um Formen „interner Aurikularisation“. „Interne primäre Aurikularisation“ liegt vor, wenn die Tonqualität eine Deformation aufweist, die den Ton als nicht-realistisch und als imaginiert ausweist. „Interne sekundäre Aurikularisation“ liegt vor, wenn der Ton durch Montage, Gesten der Filmfiguren oder Bild-Ton-Zuordnungen als ein Ton gelten muss, der in der erzählten Welt hörbar ist. Kann beispielsweise in einer ersten Einstellung ein Ton einem Objekt im Bild als Tonquelle zugeordnet werden und ist anschließend in einer zweiten Einstellung eine Filmfigur im Bild zu sehen, die sich die Ohren zuhält, dann kommen Montage und Gestik zum Einsatz. Wird beispielsweise Spannung erzeugt, indem eine im Bild unbewegliche Filmfigur mit einem lauter werdenden Geräusch von Schritten kombiniert ist, dann erfolgt die Aurikularisation durch die Bild-Ton-Zuordnung.

Literatur: Jost, François: L’Œil-caméra. Entre film et roman. Lyon: PUL 1987.


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: JT


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