Lexikon der Filmbegriffe

Literaturverfilmung

auch Adaption oder Adaptation; engl.: adaptation


Von Beginn des Films an wurden Romane, Novellen, Kurzgeschichten und Theaterstücke für die Leinwand aufbereitet. Gerade bildungsbürgerliche Kinokritiker haben unter Vorgabe einer zu fordernden „Werktreue“ die Literaturverfilmung als prinzipielle Verflachung der Vorlage diffamiert. Von Adaption ist aber meist nur dann die Rede, wenn es sich um hochliterarische Vorlagen handelt. Verfilmte Trivial- und Gebrauchsliteratur, die den größten Teil der Vorlagen liefert, wird aber nur äußerst selten als Literaturverfilmung behandelt. Heute steht der Film in einer ganzen Gruppe medialer Variationen – zum Film gibt es das Making-of-Filmbuch, den Filmroman, das Computerspiel, Tischspiele und Spielzeug u.a.m. Auch Medienverbünde treten auf – Bestseller eröffnen einen Markt, der von der Verfilmung bedient wird, Bestsellerautoren wie Stephen King oder Michael Crichton verkaufen Verfilmungsrechte, noch bevor das Buch erschienen ist, oder erfolgreiche Comics wie Pokémon dienen als Anlass für filmische Adaption.
Im Vergleich zur Adaption dramatischer Texte ist diejenige epischer Texte meist weniger dialoglastig, mehr Milieu wird entfaltet. Es wird flexibler mit Ort und Zeit umgegangen (während die theaterübliche Einheit von Ort und Zeit im Film klaustrophobisch wirken kann), auch größere Zeitsprünge (analog der Zeitdifferenz, die im Roman häufig durch die Kapitelgrenzen markiert sind) sind möglich. Die Charaktere können detailreicher, stiller und diskreter entwickeln werden. Andererseits müssen die meisten Texte für die Verfilmung drastisch gekürzt werden, die Erzählperspektive geändert, Subjektivierungen limitiert werden. Sprachstilistische Eigentümlichkeiten der Erzählerrede können meist nicht adaptiert werden, da ihnen keine visuellen Äquivalente entsprechen. Dennoch hat gerade die Stummfilmperiode versucht, filmsprachliche „Übersetzungsmodi“ für unkonventionelle Erzählweisen zu finden.

Literatur: Mundt, Michaela: Transformationsanalyse. Methodologische Probleme der Literaturverfilmung. Tübingen: Niemeyer 1994. – Paech, Joachim: Literatur und Film. Stuttgart: Metzler 1988. 2., überarb. Aufl. 1997. – Schmidt, Klaus M. / Schmidt, Ingrid (Hrsg.): Lexikon Literaturverfilmungen. Deutschspra­chige Filme 1945 bis 1990. Stuttgart: Metzler 1995.

Referenzen:

Bestsellerverfilmung

Dichterfilm

slant adaptation


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: HJW UK


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