Lexikon der Filmbegriffe

champ / hors-champ

Das zweidimensionale Filmbild erzeugt den Eindruck eines dreidimensionalen Raums. Der Bildraum erstreckt sich in die Breite und in die Tiefe. Er wird champ genannt. Insofern er nicht als ein losgelöstes Stück räumlicher Wirklichkeitsillusion wahrgenommen wird, endet er nicht an den Rändern des Filmbildes, sondern erstreckt sich als hors-champ darüber hinaus. Die filmästhetische Gestaltung des champ erfolgt zum einen durch die Wahl der Einstellungsgröße, zum anderen durch die wiedergegebene Tiefe des Raumes im Sinn des Verhältnisses zwischen der vorfilmischen Raumtiefe und kameratechnischen Tiefenschärfe. Der hors-champ wird indiziert und oft verdeutlicht durch Filmfiguren, die den champ betreten oder verlassen. Er kann durch den Blick einer Figur im Bild aus dem champ angezeigt werden oder durch den Ton, dessen Quelle im hors-champ zu vermuten ist. Die Ergänzung des in engen Einstellungsgrößen nur partiell wiedergegeben menschlichen Körpers ist eine weitere geläufige Form des Hinweises auf den hors-champ. Die erweiterte Raumillusion, die sich im Begriff hors-champ niederschlägt, ist theoretisch und ideologisch strittig. Stattdessen wird mitunter von der planen Bildoberfläche und ihrer Ergänzung (cadre bzw. hors-cadre) oder aber von einem besonderem Begriff der Einstellung (plan) ausgegangen. 

Literatur: Burch, Noël: Praxis du cinéma. Paris: Gallimard 1969. – Bonitzer, Pascal: Le Champ aveugle. Paris: Cahiers du cinéma-Gallimard 1982. – Seguin, Louis: L’Espace du cinéma (hors-champ, hors-d’œuvre, hors-jeu). Toulouse: Ombres/cinéma 1999.


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: JT


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