Lexikon der Filmbegriffe

Musikerfilm

Der Musikerfilm schildert das Leben eines realen oder fiktiven Musikers. Meist dient die Erzählung seiner Glorifizierung. Insofern spielen die Art der Musik sowie die Art des Instruments nur vordergründig eine Rolle. Mit der Musik ist eine bestimmte Ensemblegröße vorgegeben, die sich vom Soloauftritt über eine kleine Band bis zum vielköpfigen Orchester erstreckt. Mit dem Instrument ist häufig eine Funktion verbunden, die einen Musiker als Star in einem Ensemble zeigt, weil er schon durch den konventionell herausragenden Einsatz im musikalischen Arrangement als Soloinstrumentalist, Sänger, Komponist oder Dirigent eine verantwortungsvolle Stellung übernimmt.
Der Musikerfilm bezieht seine Anziehungskraft häufig aus dem Einsatz bekannter Musiker in einem Spielfilm. Im Augenblick des musikalischen Vortrags sorgt die Präsenz eines solchen Musikerstars für eine besonders glaubwürdige Darstellung des Konzerts, indem die Musik im Filmton von einem kompetenten Künstler im Bild eigens für den Film erzeugt worden zu sein scheint. Seit der Frühzeit des Kinos treten Musikerstars im Film auf, so etwa Caruso in den so genannten „Tonbildern“. Gegenwärtige Ausdrucksform sind die Videoclips im Fernsehen und als Zusatz auf computerlesbaren CDs.
Grundsätzlich kann nach den Beziehungen unterschieden werden, die in der Kette Darsteller – Rolle – Titel- bzw. Hauptfigur hinsichtlich des Vorkommens real-historischer Personen und erfundener Filmfiguren vorliegen. In The Glenn Miller Story (USA 1954, Anthony Mann) tritt James Stewart als Glenn Miller auf, in Round Midnihgt (Frankreich 1986, Bertrand Tavernier) spielt der Jazzsaxofonist Dexter Gordon eine fiktive Musikerfigur namens Dale Turner. In beiden Fällen treten berühmte Musiker in Nebenrollen auf oder sind für die Musik mitverantwortlich. In der klassischen Musik stehen häufig Komponisten im Vordergrund, allen voran Beethoven, dessen Leben und Werk die Vorlage für über dreißig Filme vom klassischen Biopic bis zum Experimentalfilm geliefert haben. Konterkariert wird die romantisierende Verklärung des Musikergenies beispielsweise in Chronik der Anna Magdalena Bach, i, (BRD/Italien 1967, Jean-Marie Straub), wo absichtlich ein unbekannter Musiker eingesetzt wird, der Bachs Musik auf ungewöhnliche Weise interpretiert und nicht dem Aussehen des Komponisten und Musikers entspricht, wie es auf bekannten Porträts verbreitet ist.

Referenzen:

Jazz im Film / Jazzfilm

Musikerfilm vs. Konzertfilm

Rockumentary

Sängerfilm


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: JT


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