Lexikon der Filmbegriffe

Musikerfilm vs. Konzertfilm

Die Integration von Musikern in einen Spielfilm ist filmhistorisch auch vor dem Hintergrund zu sehen, dass die Musik aus dem Orchestergraben, die den Stummfilm begleitete, durch Musik auf der Tonspur ersetzt wurde, ohne zugleich die körperliche Präsenz des Musikers obsolet machen zu können. Das Musizieren bildete integralen Bestandteil vieler früher Tonfilme, was wiederum ein neues Forum insbesondere für Gesangskünstler eröffnete und neben der Krise der Operette und der starken Präsenz von Jazz und Schlager im Radio die Entstehung von Genres wie der „Sängerfilm“ in den 1930er Jahren erklärt. Der Musikerfilm ist zu unterscheiden vom Konzertfilm, der gegenwärtig auf DVD vermarktet wird, und in dem entweder eine ganze Reihe von Musikern auftritt oder das Konzert eines Musikers, einer Band oder eines Orchesters gezeigt wird. Legendäre Festivals wie Woodstock oder Konzerttourneen bilden einen lockeren Rahmen, um mehrere Ausschnitte aus Auftritten verschiedener Musiker oder aus verschiedenen Auftritten eines Musikers mit kurzen Anekdoten aus dem Publikum oder hinter der Bühne zu verknüpfen, wie schon die Filme mit den Beatles oder den Talking Heads, mit Sting oder Prince fürs Kino zeigen. Der Übergang vom dokumentarischen Konzertfilm zum fiktionalen Musikerfilm ist also fließend, was auch mit dem doppelbödigen Status eines Stars als realer Person und charismatischer Figur zu tun hat. Beide Filmarten beziehen unter gegensätzlicher Akzentsetzung ihre Attraktivität aus der Verbindung von Dokumentation und Fiktion. Wesentliches Merkmal in diesem Zusammenhang ist beim Musikerfilm, dass ein Ausschnitt aus einer Biografie oder eine entscheidende Wende in seinem Leben geschildert wird, wobei oft Liebe und Familie zur Musik in Konkurrenz stehen, bis sich die Leidenschaft für die Musik durchsetzt und die erfolgreiche Karriere zum Ergebnis hat.


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: JT


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