Lexikon der Filmbegriffe

binokulares Sehen / monokulares Sehen

auch: zweiäugiges Sehen / einäugiges Sehen

Unterscheidung zwischen dem Sehen mit zwei Augen (von lat. bini „je zwei“ + oculus „Auge“) und dem Sehen mit einem Auge (von griech. mónos „allein, einzig“ + lat. oculus „Auge“).

Die Augen haben einen Minimalabstand von 6-7 cm, so dass die Blicke des linken und des rechten Auges simultan aus unterschiedlichen Richtungen kommen und dabei orientierende Informationen über unterschiedliche Aspekte der betrachteten Welt und die Tiefe des Bildraumes auf die Netzhaut liefern. Binokulares räumliches Sehen unterscheidet sich von monokularem im Wesentlichen durch die unterschiedlich zu Verfügung stehenden Kriterien für die Tiefenwahrnehmung. Räumliches Sehen ist grundsätzlich auch monokular möglich: Gesichtswinkel, Kopfbewegungen, dabei entstehende relative oder Scheinbewegungen der Objekte vor dem Hintergrund, Anpassung des Auges an den Abstand des Objekts (Akkomodationsgrad), Abbildungsfaktoren wie perspektivische Verhältnisse, Aufbau des Bildes mitsamt Anordnung der Objekte, Musterbildung durch Lichteinfall und Schattenwurf (Chiaroscuro) sowie Luftdurchsichtigkeit tragen dazu bei, dass das Gehirn ausreichende Informationen für eine räumliche Interpretation erhält. Jedoch ist das Unterscheidungsvermögen beim binokularen Sehen – abgesehen vom biologischen Sicherheitsaspekt – erheblich höher.
Die übliche Kamera mit einem Objektiv – es gibt auch Stereokameras – funktioniert wie ein monokulares Auge. Sie liefert Bilder, bei denen die räumliche Repräsentation des tatsächlich zweidimensionalen Abbildes vom Gehirn aus strukturellen Erwartungen und erlerntem Umgang mit den Hinweisreizen errechnet wird.

Literatur: Julesz, Bela: Foundations of cyclopean perception. Chicago [u.a.] : Univ. of Chicago Press 1971. – Kögel, Gustav: Der plastische Film. Die Gestaltung des ebenen Bildes für die plastische Wahrnehmung insbesondere in Bezug auf die kinematographische Lichtbildvorführung. Stuttgart: Franckh 1934Wahrnehmung. Vom visuellen Reiz zum Sehen und Erkennen.Heidelberg/Berlin: Spektrum 1998, S. 45-74.

Referenzen:

3D-Kinematographie

Stereoskopie

Tiefenkriterien


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: LK


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