Lexikon der Filmbegriffe

ephemere Filme

auch: Gebrauchsfilm; engl.: ephemeral films; gelegentlich: bits and pieces

Der dem Englischen entlehnte Begriff „ephemere Filme“ wurde von dem Filmsammler und -achivar Rick Prelinger geprägt, um solche Filme zu bezeichnen, die ihren zeitlich gebundenen, praktischen Zweck überlebt haben und jetzt nur noch von historischem Interesse sind: alte Reklamefilme, pädagogische Filme, medizinische Filme, naturwissenschaftliche Filme, „industrials“, auch Amateurfilme. Für die Historiographie des Films sind diese Produktionen meist ignoriert worden, im Rahmen einer „Kunstgeschichte des Films“ spielen sie ebenso wenig eine Rolle wie hinsichtlich der Kanonisierung wichtiger Produktionen der Filmgeschichte. Für eine Archäologie des Kinos aber ist ihre Bewahrung unerlässlich, zeigen sie doch, in welchen Verwendungskontexten Film gestanden, welcher ästhetischer, rhetorischer und argumentativer Formen er sich bedient und zu welchen visuellen Formaten er Zugang gehabt hat. Eine Geschichte des „Films als Kommunikationsform“ ist essentiell auf die Bewahrung ephemerer Filme angewisen. In der in den letzten Jahren üblicher gewordenen revionistischen Filmgeschichtsschreibung kommen darum ephemere Filme zunehmend in deren Visier.
Mit der Archivierung ephemerer Filme durch das Prelinger-Archiv, aber auch durch zahlreiche nationale Filmarchive entstand zudem für die Archive ein Sekundärmarkt – diese so lange missachteten Filme werden zunehmend als „found footage“ in Dokumentar- und TV-Magazinfilmen verwendet, um die Vergangenheit plastisch darzustellen.

Literatur: Cartwright, Lisa: Screening the Body: Tracing Medicine's Visual Culture. Minneapolis: University of Minnesota Press 1995. – Zimmermann, Patricia: Reel Families. A History of Amateur Film. Bloomington: Indiana University Press 1995. – Smith, Ken: Mental Hygiene: Classroom Films 1945-1970. New York: Blast Books 1999.
 

Referenzen:

orphan films


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: JCH HJW


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