Lexikon der Filmbegriffe

Internationales Forum des jungen Films

Weder die Berlinale noch die Festivals in Cannes und Venedig blieben von den politischen und gesellschaftlichen Protesten Ende der 1960er Jahre unberührt. 1970 kam es durch einen Film zum Thema Vietnam (O.K. von Michael Verhoeven) zum Eklat. Die Jury trat zurück, das Wettbewerbsprogramm wurde abgebrochen. In den Diskussionen wurde eine zusätzliche unabhängige Festivalsektion gefordert, die junge progressive Filme präsentieren sollte. 1971 wurde das von Ulrich und Erika Gregor und den Freunden der Deutschen Kinemathek e.V. initiierte Internationale Forum des Jungen Films neben dem traditionellen Wettbewerb etabliert (2004 wurde es zum 34. Mal durchgeführt). Seitdem ist es seine Aufgabe, politisch engagiertes Kino, Avantgardistisches, Experimentelles, Essayistisches, Langzeitbeobachtungen, politische Reportagen, unbekannte Kinematographien zu präsentieren. Kino wird als Ort kulturellen Austauschs und politischer Diskussion inszeniert: Nach den Vorführungen werden regelmäßig Gespräche zwischen Publikum und Regisseur organisiert. Zur Weiterführung gibt es „Forumsblätter“ mit Interviews, Hintergrundinformationen und Kritiken.
Das Programm des Forums spiegelt in den drei Jahrzehnten seiner Geschichte die Entwicklungslinien des internationalen Kinos im Bereich der unabhängigen Produktion wieder. Die Programme gehen ein auf besondere und seltene, schwierige Filmwerke (wie Taiga von Ulrike Oettinger), auf Filme über die deutsche Vergangenheit, das Naziregime und den Holocaust (wie Claude Lanzmanns Shoah oder Marcel Ophüls‘ Hotel Terminus), aber auch über Diktaturen in anderen Ländern (so den Stalinismus) und über Geschichtsmythen, auf bedeutende Dokumentarfilme (wie die von Frederick Wiseman oder Johan van der Keuken), auf das Kino der Dritten Welt (insbesondere Asiens) schließlich.

Referenzen:

Berlinale


Artikel zuletzt geändert am 15.07.2011


Verfasser: JH


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