Lexikon der Filmbegriffe

Abstrakter Film

Stilrichtung des Experimentalfilms, die der Avantgarde der 1920er Jahre zuzurechnen ist. Im Vordergrund stehen formale (und weniger inhaltliche oder narrative) Bezugsmöglichkeiten zwischen den einzelnen Einstellungen. Gegenstände oder Menschen werden nicht aufgrund der „Bedeutung“ gefilmt, die ihnen herkömmlicherweise zugeschrieben wird, sondern in erster Linie um ihrer Form willen. Entsprechend sind es Parameter wie Bildkomposition, Bewegung, Farbe, Licht und Rhythmus, die die Montagelogik des Abstrakten Films bestimmen. Eine frühe Richtung des Abstrakten Films ist der sogenannte ‚Absolute Film‘, der nicht nur ganz auf jegliches narrative Element verzichtet, sondern auch darauf, Objekte im Sinn eines fotografischen Abbildes überhaupt zu filmen. Stattdessen beschränkt er sich auf „anorganische“, meist gemalte Motive, strebt oft „musikalische“ Strukturen an und ist insgesamt ein experimenteller Animationsfilm. Als Beispiele gelten Ballet mécanique (Fernand Léger, Frankreich 1923), Diagonal-Symphonie (Viking Eggeling, Deutschland 1924) oder Opus III (Walther Ruttmann, Deutschland 1924).

Literatur: Scheugl, Hans / Schmidt, Ernst, jr.: Eine Subgeschichte des Films. Lexikon des Avantgarde-, Experimental- und Undergroundfilms. 1.2. Frankfurt: Suhrkamp 1974. – LeGrice, Malcolm: Abstract film and beyond. Cambridge, Mass.: MIT Press 1977.

Referenzen:

absoluter Film

calculated cinema

cinéma pur

Computerfilm I: Produktionsweisen

Computerfilm II: künstlerische Anwendungen

informationstheoretischer Film / informationsästhetischer Film

Minimalismus


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: PB


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