Lexikon der Filmbegriffe

Imagistischer Film

engl.: imagist film; von lat. imago = Bild

„Imagismus“ nannte sich eine Lyrikkonzeption, auf die sich vor allem Ezra Pound, E.S. Flint und Hilda Doolittle (H.D.) bezogen (v.a. in der Zeit von 1912 bis 1917). Den Beteiligten ging es um größtmögliche Bildhaftigkeit und Kürze des Ausdrucks, Verwendung der Umgangssprache, strukturelle und anschauliche Nähe zum Gegenstand der Darstellung. Die enge Anklammerung an die Außenseite der dinglichen Welt – an Farbe und Textur, an Licht und Temperatur der Dinge selbst – stellt den Imagismus in enge Beziehungen zum Impressionismus, geht aber über diesen hinaus: Die phänomenale Gegebenheit des Wirklichen und der nur symbolische oder metaphorische Bezug zur Form (die also nicht als unmittelbar gegeben angenommen wurde) sowie insbesondere die Abkehr vom Metrum auf eine eher fließende Rhythmik als Träger und Ausdruck von Stimmungen legte es schon früh nahe, das Lyrik-Programm des Imagismus und das spielerische Erproben der Ausdrucks- und Montageformen des Films als verwandte ästhetische Bemühungen anzusehen. Eisensteins Montageexperimente wurden so lesbar als um imagistische Effekte bemühte Anordnungen von Bildern. Der Rekurs auf Konkretheit und Anschaulichkeit als ästhetische Qualitäten schien sich in der photographischen Materialität des Films idealerweise anzubieten. Grierson reklamierte in diesem Sinne schon 1932 imagistische Qualitäten für seinen Film Drifters (1929).

Literatur: Castellitto, George P.: Imagism and Martin Scorsese: Images suspended and extended. In: Literature/Film Quarterly 26,1, 1998, S. 23-29. – Gage, John T.: In the arresting eye. The rhetoric of imagism. Baton Rouge, La.: Louisiana State University Press 1981.


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: HJW


Zurück