Lexikon der Filmbegriffe

Materialfilm

Genre des Experimentalfilms insbesondere der 1970er Jahre. Filmische Elemente, die normalerweise unsichtbar bleiben oder, als technische Gegebenheiten, nicht zum Inhalt gerechnet werden, bilden das visuelle Material, das zu einer mehr oder weniger abstrakten Komposition verwoben wird: Dazu gehören Perforationslöcher, Randnummern, Kratzer und Fussel, Schleier, Allongen und Startbänder, Positiv- und Negativfilm, Körnung, Bildstrich, Blitzer, chemischer Zerfall etc. Materialfilme stellen eine Form der Selbstreflexion über das Medium und den Apparat Kino dar. Nach den frühen Experimenten der 1910er und 1920er Jahre entwickelte sich ein neues Materialbewusstsein im Avantgardefilm der 1950er und 1960er Jahre – Filmemacher wie Arnulf Rainer und Kurt Kren, Mitglieder des New American Cinema wie Robert Breer, Stan Brakhage und Paul Sharits haben mit unterschiedlichsten Materialitätselementen des Films experimentiert. Materialfilme können, müssen jedoch nicht, gleichzeitig „strukturelle Filme“ sein oder aus Found Footage bestehen. Beispiele sind T,O,U,C,H,I,N,G (Paul Sharits, USA 1968), Experiment Film (Victoria von Flemming, BRD 1978) oder Stadt der Eselsbrücken (Michael Brynntrup, BRD 1990).

Referenzen:

absoluter Film

Cinéma pur

Struktureller Film

Rayografie


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: PB


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