Lexikon der Filmbegriffe

Starsystem

 „Starsystem“ nennt man eine eng mit dem amerikanischen Studiosystem assoziierte Produktionsweise von Filmen, in der Stars eine zentrale Rolle spielen. Stars sind im Marketing von Filmen eine wichtige Bezugsgröße, sie werden eingesetzt, um den Zugang der Zuschauer zum Film zu kanalisieren, und bilden selbst den Gegenstand eines imaginären Gratifikationsversprechens. In einem Starsystem ist der Star darum maßgeblich für den kommerziellen Erfolg bzw. Misserfolg verantwortlich. Bereits in der Vorproduktion hat ein Filmprojekt mehr Chancen auf Verwirklichung, wenn sich ein Star verpflichtet, darin mitzuwirken. Drehbücher werden mit Hinsicht auf den entsprechenden Star geschrieben. In einem Starsystem sind viele der gedrehten Filme „Starvehikel“.
In der klassischen Ära hatten die Studios stets eine Vielzahl von Stars für unterschiedliche Rollenprofile unter Vertrag, die in wechselnden Kombinationen eingesetzt und teilweise gegen Gebühr oder im Gegengeschäft an andere Studios ausgeliehen wurden. Bis in die 50er Jahre produzierten die Studios systematisch neue Stars, in dem sie jungen Schauspielern wichtige Rollen in kleinen Produktionen gaben und sie sukzessive an Hauptrollen in Prestigeproduktionen heranführten. Zur Herstellung eines Stars gehörten Maßnahmen wie plastische Chirurgie, Namensänderungen und die Fabrikation publicity-tauglicher Biographien.
In den USA entwickelte sich in den 1910er Jahren das Starsystem, das bis in die 1960er Jahre von den großen Studios geprägt wurde. Schauspieler wurden auf Jahre hinaus verpflichtet, ihr Image wurde weitgehend vom Studio aufgebaut und kontrolliert. Der Star dient dem Studio zur Produktdifferenzierung. Mit Ende des Studiosystems übernahmen Schauspieleragenturen ähnliche Funktionen wie zuvor die Studios, wenngleich nicht in dem Ausmaß.
Stars und Starsysteme gibt es nicht nur in den USA, sondern beispielsweise auch im populären indischen Film. Auch dort spielen Stars eine zentrale Rolle für den Erfolg eines Films – und dies, obwohl es in Indien seit den 1930er Jahren kein Studiosystem mehr gibt und Medien nur eine beschränkte Rolle für das jeweilige Starimage spielen.

Literatur: DeCordova, Richard: Picture personalities. The emergence of the star system in America. Urbana: University of Illinois Press 1990. – Holmes, Sean P.: The Hollywood star system and the regulation of actors’ labour, 1916-1934. In: Film History 12,1, 2000, S. 97-114. – Stenger, Josh: Consuming the planet. Planet Hollywood, stars, and the global consumer culture. In: Velvet Light Trap, 40, Fall 1997, S. 42-55.
 

Referenzen:

Star

topliner


Artikel zuletzt geändert am 21.01.2012


Verfasser: CT VH PV


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