Lexikon der Filmbegriffe

Motiv: dramatische Motive

Ein Motiv ist eine strukturelle Einheit. Insbesondere ist sie eine „bedeutungsvolle Situation“, die „allgemeine thematische Vorstellungen“ umfasst. Es ist eine typische Situation, die immer wieder auftreten kann. Es handelt sich um eine kleinere stoffliche Einheit, die zwar keine ganze Geschichte umfasst, aber doch bereits ein inhaltliches, situationsmäßiges Element darstellt. Ein Motiv kann ein Ansatzpunkt sein, der eigene Erfahrens- und Erlebensgehalte in symbolischer Form repräsentiert. Ein Beispiel ist das Ans-Licht-Drängen eines ungesühnten Mordes, das in zahllosen Realisationen vorliegt. Oft lassen sich ausgedehnte Geschichten auf ein Kernmotiv zurückführen bzw. in einem Kernmotiv zusammenfassen. Lyrische Motive sind Nacht, Abschied, Einsamkeit. Feindliche Brüder, Verwandtenmord oder auch das Erscheinen des verstorbenen Geliebten (Leonoren-Motiv) sind dramatische Motive.
Das Motiv kontrastiert dem Stoff, der durch konkrete Züge ausgestattet ist und wiederum mehrere Motive integrieren kann (bzw. umgekehrt in mehreren Motiven interpretiert und genutzt werden kann). Zu Motiven werden stoffliche Dinge erst dann, wenn sie zu komplexeren Erscheinungsformen wie Palast und Hütte synthetisiert werden. Motive zeigen Personen und Sachen nicht isoliert, sondern in einen Zusammenhang, d.h. eine Konstellation oder Situation, gestellt, z.B. „Heimkehrer“, „Testamentsklausel“ oder „heimliche Heirat“.
Die Motivgeschichte untersucht historische Entwicklung und geistesgeschichtliche Bedeutung traditioneller Motive und verfolgt die grundverschiedenen Bedeutungen von Motiven bei verschiedenen Autoren, in verschiedenen nationalen Kulturen und in verschiedenen Epochen.

Referenzen:

blindes Motiv

gothic horror II: Motive

Pygmalion-Motiv

Standardsituation

Trickster I: Motivgeschichte

Zeitreise I: Vorgeschichte

Zeitreise II: Dramaturgie


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: HJW


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