Lexikon der Filmbegriffe

Calligrafismo

Stilrichtung im italienischen faschistischen Film, die vor allem in den frühen 1940er Jahren wirksam ist und zusammen mit den Telefoni bianchi unmittelbar dem Neorealismus vorausgeht. Im Zentrum stehen aufwändige Melodramen mit ausgeprägt schönen und liebevoll ausgeleuchteten, opulenten und anspruchsvollen Bildgestaltungen (Beispiele: Piccolo Mondo antico, 1940, Mario Soldati; Malombra, 1942, Mario Soldati). Literaturverfilmungen – italienische, französische und russische Romanliteratur des 19. Jahrhunderts – machen den größten Teil der kalligrafischen Filme aus, eine Tendenz, die der Stilrichtung den (nicht unproblematischen) Vorwurf des realitätsfernen Eskapismus einbringt. Die Filme nutzen die Gelegenheit zu schwelgerischen Kostümen und Dekors und ziehen stimmungsvolle, an Originalschauplätzen fotografierte Landschaften mit ein, um so das psychische Verhältnis des Menschen zur Natur auszuloten.
Im Unterschied dazu zeichnet sich die Gruppe der zeitgleichen Telefoni bianchi weniger durch stilistische, sondern mehr durch inhaltliche Gemeinsamkeiten aus: Sie sind leichte Gesellschaftskomödien über die zeitgenössische mondäne High Society und blenden konsequent jeden Bezug zu Alltag und Realität im italienischen Faschismus aus. Allerdings gibt es darin und parallel dazu ausgesprochen realistische Tendenzen, vor allem in Filmen, die in populären Milieus spielen.


Artikel zuletzt geändert am 02.08.2011


Verfasser: PB IS


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