Lexikon der Filmbegriffe

Dschungel

Dschungel, v. Sanskrit jangala = wüster, unbebauter Boden; bezeichnet im engeren Sinne den grünen Regenwald Vorderindiens, im weiteren Sinne alle unpassierbaren tropischen Sumpf- und Regenwälder

Ein im Abenteuerfilm und im Tierfilm häufig vorkommender tropischer Vegetationsraum Afrikas, Lateinamerikas und Südostasiens, der seine dramatischen Qualitäten durch Undurchdringlichkeit, Unübersichtlichkeit, die in ihm lauernden Gefahren (Raubtiere etc.) und den ihm zugeschriebenen Exotismus gewinnt. Dschungel ist eine menschenfeindliche Landschaft, eine Adaption ist fast unmöglich (und gelingt oft nur durch extreme Einschmiegung in den fremden Handlungsraum (man denke an die Tarzan-Figur, an Jungle Book, 1942, Zoltan Korda, aber auch solche Fälle wie Medecine Man, 1986, John McTiernan). Manchmal auch ist der Dschungel ein Durchgangsraum, der überwunden werden muss, um in andere Landschaften „hinter“ dem Dschungel zu gelangen.
Die Topografie ist als Raum einer gesteigerten Naturaktivität eingeführt, welche alle menschlichen Sinne anspricht, Orientierung verweigert und die körperliche wie geistige Kondition der in ihm fremden Akteure herausfordert. Wenn dann der Dschungel noch zum Ort des Schreckens wird, sei es, weil ihm das Naturschreckliche, das Urzeit-Schreckliche oder das Alien-Schreckliche innewohnt, dann erweist er sich als ideale Folie für große Gefahr, Action (Filme zwischen Creature from the Black Lagoon, 1954, Jack Arnold, und Predator, 1987, John McTiernan). Ähnlich wie das Hochgebirge im Bergfilm, aber auch wie die Wüste ist der Dschungel durch seine topografische Struktur weniger Umwelt der Handlung denn als spezifische Landschaft selbst antagonistische Mitspielerin. Wenn in Kautschuk (1938, Eduard von Borsody) Piranhas und Krokodile (genauer: Kaimane) in großer Zahl den Abenteurern entgegenstehen, sie mit dem Tod bedrohen, sind dies natürlich Tiere, die im Amazonasbecken leben. Aber sie sind auch Symbole der Widerständigkeit der wilden Natur, Extremifizierungen der narrativen Gefahr, Symbole des Dort-Seins. Im Tonfilm ist dem Dschungel eine polyphone akustische Dimension aus Geräuschen und Tierstimmen zugeordnet. Außerdem ist der urwüchsige Raum ein beliebter Schauplatz für die Expedition und Schatzsuche und bietet Gelegenheit, sich vor Verfolgung zu schützen – birgt also gerade im Gegensatz zum Gefahrenraum auch die Potentiale des (narrativen) Schutzraums in sich (man denke an Gorillas in the Mist, 1988, Michael Apted).

Literatur: Koebner, Thomas: Insel und Dschungel. Zwei Landschaftstypen im Film. Ein Exkurs. In: Berg, Jan / Hoffmann, Kay (Hrsg.): Natur und ihre filmische Auflösung. Marburg: Timbuktu-Verlag 1994, S. 95-108.


Artikel zuletzt geändert am 03.08.2011


Verfasser: UK HJW


Zurück