Lexikon der Filmbegriffe

Motivation

Die Begründung für das Auftreten eines künstlerischen Verfahrens oder eines besonderen Motivs, einer auffallenden Strategie, die Information vorzutragen, und ähnlicher Besonderheiten in Aufbau und Vortrag eines Films bezeichnet man als dessen Motivation. Motivationen wohnen dem Werk nicht inne, sondern werden ihm zugeschrieben. Sie sind Ziel einer reflexiven Haltung dem Film gegenüber.
Es ist durchaus vorstellbar, dass Elemente des Textes in mehreren unterschiedlichen Motivationen erschlossen werden. In Psycho wäscht sich Bates beim Säubern der Dusche die Hände – eine Geste, die einerseits anbindbar ist an die instrumentelle Handlung und dann als „Säuberung“ der Hände erscheint, andererseits aber auch geöffnet werden kann in die Symbolik des Pilatus-Motivs „Sich-die-Hände-in-Unschuld-waschen“. Folgt man dieser Betrachtungsweise, schließen Motivationen Elemente des Werks an unterschiedliche Schichten von Bedeutung an, lokalisieren das einzelne Segment im Gesamt der Signifikation, laden es mit Bedeutung auf und funktionalisieren es so als Ausdrucksmaterial.
Die im Kunstwerk enthaltenen Informationen werden nach vier verschiedenen Weisen motiviert: (1) kompositionell: ein Segment wird im Sinne seiner Plausibilität innerhalb des Gesamttextes beurteilt; (2) realistisch: die Rechtfertigung erfolgt gemäß einer angenommenen Wirklichkeit; (3) transtextuell: der Zusammenhang wird durch Vergleich mit Werken desselben Genres hergestellt; (4) künstlerisch: ein Element wird als um seiner selbst willen existierend angenommen.

Referenzen:

aftermath

Motivierung


Artikel zuletzt geändert am 08.02.2012


Verfasser: HJW


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