Lexikon der Filmbegriffe

Heimkehrer

Häufigste Variante des Heimkehrermotivs ist die des Kriegsheimkehrers (seltener in der weiblichen Form), des überlebenden, häufig auch durch eine Kriegsverletzung gezeichneten Mannes, der in seinen ursprünglichen sozialen und geografischen Raum zurückkehrt und dort veränderte Verhältnisse mit z.T. traumatisierenden Folgen vorfindet. So kann die Beziehung zur Ehepartnerin, zu Familie und Kindern gestört oder brüchig geworden sein oder es können Erinnerungen an schreckliche Erlebnisse im Krieg Bewusstsein und psychische Konstitution massiv bedrängen, so dass eine Resozialisierung in das Zivilleben erschwert oder verunmöglicht ist (wie in dem deutschen Nachkriegsfilm Der Ruf, BRD 1949, Josef von Báky, oder auch in dem Rambo-Film First Blood, USA 1982, Ted Kotcheff, der neben zahlreichen anderen Vietnam Heimkehrern steht). Eine Variante des Themas ist die Remigration exilierter Personen (v.a. in der frühen Nachkriegsära nach 1945) in das Ursprungsland, aus dem sie als politisch und/oder ethnisch Verfolgte fliehen mussten (wie Taxidi sta Kithira, Griechenland 1984, Theodoros Angelopoulos). Mit der Rückkehr ist zumeist eine bewusste Entscheidung und der Wille verknüpft, ein neues Leben am „alten Ort“ zu beginnen. Manchmal ist auch der Weg der Heimkehrer aus dem Krieg nach Hause dargestellt (in so unterschiedlichen Filmen wie der TV-Miniserie So weit die Füße tragen, BRD 1959, Fritz Umgelter, Remake BRD 2001, über einen Soldaten, der aus sibirischer Kriegsgefangenschaft nach Deutschland zurückkehrt, oder Francesco Rosis Verfilmung des Primo-Levi-Berichts über die lange Reise italienischer Auschwitz-Insassen nach Italien La Tregua, Italien [...] 1997).

Literatur: Mrozinski, Heike: Melodrama. Kriegsheimkehrerfilm. In: Frauen und Film, 61, März 2000, S. 157-177. – Stiasny, Philipp: „Man soll die Toten ruhen lassen!... Man soll sie aber auch nicht vergessen!“ Die Figur des totgeglaubten Heimkehreres im deutschen Nachkriegskino. In: Jahrbuch zur Kultur und Literatur der Weimarer Republik 10, 2006-06, S. 247-276.

Referenzen:

Veteranenfilm


Artikel zuletzt geändert am 30.07.2011


Verfasser: UK


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