Lexikon der Filmbegriffe

Veteranen

(1) Im Sinne von „kriegsversehrt“: Figuren, die als Soldaten an einem Krieg teilgenommen haben und die an der Front oder in der Etappe verletzt, verstümmelt, traumatisiert wurden. Nach dem Krieg gelingt ihnen die Rückkehr in die zivile Gesellschaft nicht mehr, sie kommen als körperliche und seelische Wracks mit einer nun friedlichen Welt nicht mehr zurecht (wie selbst der titelgebende Held Rambo in First Blood, 1982). Sie sind von traumatischen Erlebnissen gezeichnet und vom Unvermögen, darüber zu sprechen (außer im Beisein anderer Veteranen, die denselben Erlebnishorizont teilen). Eine ganze Reihe von Filmen spielt im Veteranenhospital, so einen Blick auf die Kriegswirklichkeit werfend, die jedes Pathos austreibt (The Men, 1950, Fred Zinneman) und jede Glorifizierung von Kriegsheldentum unmöglich macht (einer der Gründe, dass einer der ersten Vietnamkriegs-Filme in einem Veteranenlazarett spielt (Coming Home, 1977, Hal Ashby). Manche sind drogenabhängig geworden, Krankheit und kriegsbedingte Behinderung sind keine Seltenheit (erinnert sei an den ehemaligen Vorgesetzten des Titelhelden in Forrest Gump, 1993, der nach dem Krieg als Alkoholiker-Einbeiniger von seiner Rente lebt, oder an Steve, einen der Helden in The Deer Hunter, 1978, der im Vietnam-Krieg beide Beine verliert). Oft leben die Veteranen am Rande der Gesellschaft, isoliert und marginalisiert insofern ist das Veteranentreffen oft ein Wiedersehen mit Leidensgenossen, für die der Krieg eine ähnlich einschneidende Veränderung des Lebens bedeutet (wie in dem russischen Film Belorussky Vokzal, 1971, Andrei Smirnov). Manche haben sich einmal freiwillig zum Fronteinsatz gemeldet umso größer ist nach dem Krieg die Enttäuschung über Staat und Obrigkeit, aber auch der Zweifel an einer Gerechtigkeit des Schicksals. Viele der Veteranenfilme sind bittere Antikriegsfilme, die durch die Figur des vom Krieg Geschädigten oder gar Zuschande-Gewordenen eine klare pazifistische Haltung einklagen (am extremsten wohl in Dalton Trumbos Johnny Got His Gun, 1971).
(2) Im Sinne von „altgedient“: von lat. veteranus = ausgedienter Soldat, franz.: vétéran = ausgedienter Soldat oder Beamter. Filme über Soldaten, die sich oft zusammen mit anderen Veteranen an den einstigen Krieg als ebenso einschneidendes wie prägendes Stück des eigenen Lebens erinnern. Die Orientierung auf den Krieg ist verbindliche Lebensorientierung, gleichgültig, ob die Haltung zum Krieg kritisch, nostalgisch oder glorifizierend ist. Gelegentlich müssen Veteranen reaktiviert werden und können ihre Erfahrungen in neue Konflikt- oder Problemsituationen einbringen (wie in Space Cowboys, 2000, eine Veteranen-Crew ehemaliger Astronauten erneut ins Weltall geschossen wird). In diesem Sinne spricht man auch von „Hollywood-Veteranen“, „Veteranen des Animationsfilms“ o.ä. und meint damit Altgediente ihres Gewerbes. 


Artikel zuletzt geändert am 16.07.2011


Verfasser: PB JH


Zurück