Lexikon der Filmbegriffe

Backstage-Musical

von engl. ‚back stage‘ = hinter der Bühne

Das Leben hinter der Bühne steht im Mittelpunkt dieses Musical-Subgenres. Nach Erfindung des Tonfilms wurde das Backstage-Musical bald (ab 1933) eine ideale Form, Qualitäten des Tons im Kino zu präsentieren: Es verband ein Maximum an Gesangseinlagen mit einem Minimum an Rechtfertigung (Altman). Die Song-and-Dance-Szenen ergeben sich aus der Handlung, stellen somit keinen Bruch mit den Ansprüchen des Publikums an Realismus und Wahrscheinlichkeit dar. Die Protagonisten sind Sänger und Sängerinnen, Tänzer und Tänzerinnen von Beruf, so dass einerseits ein Großteil der Handlung backstage spielt, andererseits die Gesangs- und Tanznummern sich zwanglos aus der Handlung ergeben. Da es oft um das Zustandekommen einer Broadway-Show geht, sind Proben, Eifersüchteleien und Konkurrenzkämpfe im Theatermilieu, Umbesetzungen und Lampenfieber weitere (jedoch selten realistisch inszenierte) Elemente der Handlung – genauso wie die obligate Liebesgeschichte. Das Mädchen vom Lande, das als Chorusgirl beginnt und am Ende des Films die Chance bekommt, ein Star zu werden, ist ein gängiges Motiv. Außerdem kommt es immer wieder vor, dass die Figuren vor lauter Lebensfreude und Energieüberschuss auch außerhalb der Bühne zu singen und zu tanzen beginnen. Da in den Backstage-Musicals der kreative Prozess selbst zum Thema wird, weisen die Filme stets eine Form von Selbstreflexivität auf.
Besonders erfolgreich waren in den frühen 1930er Jahren die Backstage-Musicals der Warner Brothers, deren Song-and-Dance-Szenen von Busby Berkeley choreografiert und gefilmt wurden. Die Truppe, die im Film am Gelingen einer Bühnenshow arbeitet, ist ein Spiegel der amerikanischen Gesellschaft zur Zeit der Depression. Die Ideologie der Zeit ist den Filmen deutlich abzulesen. Die Gemeinschaft der Agierenden, ihr Zusammenhalten in schweren Zeiten etc. werden explizit thematisiert. Filme: 42nd Street (1933), Gold Diggers of 1933 (1933), Footlight Parade (1933), Dames (1935). Die erste Welle der von Warner Brothers produzierten Backstage-Musicals endet 1934, mit dem Beginn des New Deal. Der Einfluss dieser Filme auf die weitere Entwicklung des Genres ist enorm – von den MGM Musicals, die Berkeley choreografierte, ergibt sich eine durchgehende Linie bis zu A Chorus Line (1985).

Literatur: Altman, Rick: The American Film, Musical. Bloomington/Indianapolis: Indiana University Press 1987. – Feuer, Jane: The Hollywood Musical. Bloomington/Indianapolis: Indiana University Press 2nd ed. 1993. – Rubin, Martin: Busby Berkeley and the Backstage Musical. In: Hollywood Musicals: The Film Reader. Ed. by Steven Cohan. London/New York: Routledge 2002.


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: CT PB


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