Lexikon der Filmbegriffe

Dokumentarspiel

auch: szenische Dokumentation; Semidokumentation; Faction; verwandt: faktografischer Film; engl.: documentary drama
Das Dokumentarspiel, das als Gattung ganz dem Fernsehen zugerechnet wird, hat Vorbilder im angloamerikanischen documentary drama. Eine historische Perspektive herrscht vor, darin ist das Dokumentarspiel dem Dokumentar-Theater verwandt. Das Dokumentarspiel kommt dem Selbstverständnis des öffentlich-rechtlichen Fernsehens als eines aufklärerischen und erzieherischen Mediums entgegen. Geschichtsaufklärung und Unterhaltungsform der Erzählung treten zusammen. Das ZDF richtete bereits 1965 eine Hauptabteilung „Dokumentarspiel“ ein (in der ARD wurden Dokumentarspiele von den Fernsehspielredaktionen betreut). Immer wieder ist dem Dokumentarspiel vorgeworfen worden, dass der Anspruch auf historische Authentizität nur im Sinne der Darstellung des Historischen mit den Mitteln der Literatur und des Theaters beurteilt werden könne, nicht aber im Hinblick auf faktografische Genauigkeit.
Schon seit Anfang der 1950er Jahre gab es verschiedene Beispiele für Dokumentarspiele, die als "Tatsachenspiele" inszeniert wurden. Die enge Verzahnung des Dokumentartheaters mit den ARD-Spielfilmabteilungen belegt die Tatsache, dass die wichtigsten dieser „szenischen Berichte“ noch vor ihrer Bühnenpremiere als Dokumentarspiele ausgestrahlt wurden, beispielsweise Heinar Kipphardts Stücke „In der Sache J. Robert Oppenheimer“ (HR 1964) und „Die Geschichte des Joel Brand" (WDR 1964) oder „Die Ermittlung“ von Peter Weiss (WDR 1966). Die spielerische Behandlung vergangener Themen ist bis heute eine der großen Fernsehgattungen geblieben – erinnert sei an die auch formal Neuland betretenden Arbeiten Heinrich Breloers (Einmal Macht und zurück..., 1995; Das Todesspiel, 1996; Die Manns, 2001). 

Literatur: Neubauer, Franz: Geschichte im Dokumentarspiel. Paderborn/München/Wien/Zürich: Schöningh 1984 (Geschichte, Politik und Massenmedien. 2.). – Paget, Derek: True stories? Documentary drama on radio, screen and stage. Manchester [...]: Manchester University Press 1990.
 

Referenzen:

Docudrama


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: JH


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