Lexikon der Filmbegriffe

Quartierstudie

Variante der Milieustudie, die sich aus „Stadtteil- oder Quartierstudie“ auch in der Stadtsoziologie findet. Hier wie dort geht es weniger um die psychologische Darstellung von Individuen als um die Analyse eines bestimmten Segments der Gesellschaft. Ort des Geschehens ist ein bestimmtes Quartier einer Großstadt – Montmartre, Kreuzberg, East Village, St. Pauli, Langstraße etc. –, in dem meist kleine Leute leben. Das Quartier selbst hat einen ebenso großen Stellenwert wie das Figurenpersonal, und der Film bezieht einen Großteil seiner atmosphärischen Dichte aus dem oft spröden Charme des jeweiligen Quartiers, aus den Alltagsvollzügen. Wie die Milieustudie ist auch die Quartierstudie einem realistischen Stil verpflichtet. Gedreht wird in der Regel an Originalschauplätzen und nicht selten mit Laiendarstellern. Beispiele finden sich zu allen Zeiten der Filmgeschichte, sind vor allem angeregt worden durch das Bemühen des italienischen Neorealismus, Genauigkeit der Milieuzeichnung zu einem ästhetischen Anliegen des Films zu machen.

Beispiele: Zürich – Bäckerei Zürrer, Schweiz 1957, Kurt Früh; Paris – Porte des Lilas, Frankreich 1957, René Clair; Rom – Accatone, Italien 1961, Pier Paolo Pasolini; New York – Blue in the Face, USA 1994, Wayne Wang, Paul Auster. 
 

Referenzen:

Milieustudie

Trabantenstadt


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: PB


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