Lexikon der Filmbegriffe

Revolution

Motiv im fiktionalen und dokumentarischen Film. Im Zentrum stehen die tiefgreifenden politischen Umwälzungen, mit denen soziale und ökonomische Veränderungen einher gehen und die von der Mehrheit der (so oder anders benachteiligten) Bevölkerung getragen wird: Sei es, dass man sich gegen absolutistische Monarchien oder das Elend der Klassenverhältnisse wehrt, sei es, dass man rechts- oder linksextreme Diktaturen stürzt. Je weiter die Revolution in der Geschichte zurückliegt, desto eher kommt sie im Ausstattungs- und Kostümfilm oder als Nationalepos zum Zug, das sich oft wenig um realitätsnahe Schilderungen kümmert (vgl. die französische und russische Revolution, aber auch die europaweiten Revolutionen von 1848). Andere Varianten legen weniger Wert auf Schauwerte und richten als historische Milieustudien und Rekonstruktionen den Fokus auf ein querschnitthaftes Mosaik der fraglichen Epoche (bis hin zu einer historischen Analytik der Politik der Revolution wie in Queimada, Italien/Frankreich 1969, Gillo Pontecorvo). Bei Revolutionen der Zeitgeschichte schließlich – etwa der Nelkenrevolution in Portugal 1974 (Capitães de Abril, Portugal 2000, Maria de Medeiros) oder der islamischen Revolution im Iran 1979 (Nimeh-ye penhan, IT: The Hidden Half, Iran 2001, Tahmineh Milani), aber auch der revolutionären Bemühungen in Lateinamerika (Ernesto Che Guevara, das bolivianische Tagebuch, Schweiz/Frankreich 1994, Richard Dindo) –, deren Mitwirkende zum Filmpublikum gehören könnten, ist die Tendenz zu Milieu- oder Charakterstudien zu verzeichnen, die viel Gewicht auf das politische Klima legen, das vor, während oder nach der Revolution bestimmend war.

Literatur: Cowie, Peter: Revolution! The explosion of world cinema in the 60s. London: Faber and Faber 2004. – Lefèvre, Raymond: Cinéma et Révolution. Paris: Edilig 1988.

Referenzen:

Französische Revolution

russische Revolution

russischer Revolutionsfilm


Artikel zuletzt geändert am 07.02.2012


Verfasser: PB


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