Lexikon der Filmbegriffe

Revuefilm

Deutsches Genre vor allem aus der Zeit des Nationalsozialismus, das mit dem zeitgleichen amerikanischen Musical verwandt ist; Beispiele: Nanu, Sie kennen Korf noch nicht? (Fritz Holl, 1938); Hallo, Janine! (Carl Boese, 1939); Der weisse Traum (Geza von Cziffra, 1943). Wie dort stammen die Handlungsstrukturen aus leichten Unterhaltungsgenres (romantische Komödie, Liebesfilm, Biopic) und sind mit Gesangs- und Tanz-Nummern durchsetzt. Außerdem geht es meist um die Proben zu oder die Aufführung von Revuen, die kaum etwas mit dem entbehrungsreichen Alltag des Filmpublikums zu tun haben, sondern als eine Art Gegenentwurf zu lesen sind. Doch es gibt markante Unterschiede: Anders als das Musical, das auch die geschmeidig in die Handlung integrierte Nummer kennt, pflegt der Revuefilm die von der Handlung separierte und als Bühnengeschehen gekennzeichnete Nummer wie im Backstage-Musical. Entsprechend werden im – tendenziell statisch fotografierten – Tanz nicht so sehr die Figuren der Handlung aufeinander bezogen, sondern die Stars in ein möglichst spektakuläres Licht gerückt. Letztlich erreicht der Revuefilm bei aller Kostspieligkeit kaum je das ausgeklügelte Raffinement und die berauschende Opulenz des Musicals. Nach 1945 verschwindet er nahezu vollständig (von wenigen Produktionen abgesehen, die von Regisseuren stammen, die sich bereits während des Zweiten Weltkriegs im Genre hervortaten) und wird in den 1950er Jahren vom (hauptsächlich bundesdeutschen) Schlagerfilm abgelöst.

Literatur: Belach, Helga [Hrsg.]: Wir tanzen um die Welt. Deutsche Revuefilme 1933-1945. München: Hanser 1979. – Klooss, Reinhard / Reuter, Thomas: Körperbilder. Menschenornamente in Revuetheater und Revuefilm. Frankfurt: Syndikat 1980. – Mizejewski, Linda: Ziegfeld girl. Image and icon in culture and cinema. Durham [u.a.]: Duke University Press 1999.

Referenzen:

Girlkultur


Artikel zuletzt geändert am 23.07.2011


Verfasser: PB


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