Lexikon der Filmbegriffe

Rive gauche

Der Begriff meint eigentlich das linke Seine-Ufer (insbesondere das Quartier Latin) und damit das Künstlerquartier in Paris. Im filmwissenschaftlichen Kontext erscheint er zum ersten Mal 1962 bei Godard und bezeichnet eine kleine Gruppe linksintellektueller französischer FilmemacherInnen (Alain Resnais, Agnès Varda und Chris Marker). Der Terminus hatte die Funktion, diese Gruppe samt ihrem explizit politischen Kino von den ehemaligen Kritikern der Cahiers du cinéma (Chabrol, Godard, Rivette, Rohmer, Truffaut) und damit von der zeitgleichen, eher cinephilen Nouvelle Vague abzugrenzen. Er blieb stets eine Fremdbezeichnung, die weder Resnais noch Varda oder Marker für sich selbst beanspruchten. Nachträglich wurden auch Marguerite Duras und Alain Robbe-Grillet, die beide über die Zusammenarbeit mit Resnais zum Film fanden, dem rive gauche zugerechnet.

Beispiele: Hiroshima, mon Amour (1959, Alain Resnais); L'Année dernière à Marienbad (1960, Alain Resnais); Cléo de 5 à 7 (1961, Agnès Varda); La Jetée (1962, Chris Marker); Nathalie Granger (1972, Marguerite Duras).


Artikel zuletzt geändert am 24.07.2011


Verfasser: PB


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