Lexikon der Filmbegriffe

Russische Revolution

Motiv im Spielfilm, das die grundlegenden gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Umwälzungen in Russland 1905 und 1917 umfasst oder aber einzelne Ereignisse aus dieser Periode. Die Unterschiede in Gewichtung und Verfahren sind groß und entsprechend breit das Spektrum möglicher Varianten: Ausstattungs- und Kostümfilme setzen auf das Schauwert-Potenzial des Motivs und damit auf luxuriöse Roben, die Dekadenz des Zarenregimes, Massenaufmärsche und prächtige Kulissen, vor deren Hintergrund Liebes- und Leidensgeschichten sowie Melodramen erzählt werden (Doctor Zhivago, USA 1965, David Lean; Reds, USA 1981, Warren Beatty). Monumentalfilme schildern eine zum Nationalepos überhöhte Revolution, und insbesondere der russische Revolutionsfilm der jungen Sowjetunion kehrt (bekanntestes Beispiel: Bronenosez Potjomkin, 1925, Sergej Eisenstein; Oktjabr, 1927, Sergej Eisenstein) immer wieder zu diesem Motiv zurück und feiert euphorisch den Triumph des Kommunismus (wogegen sich vor allem westliche Filme in einem bisweilen unverhohlenen Antikommunismus ergehen). Realistischere Varianten stellen nicht nur Befreiungskampf und Klassenverhältnisse ins Zentrum, sondern problematisieren auch das Elend des Bürgerkriegs zwischen Bolschewiki und Menschewiki, den desolaten Zustand der Bevölkerung und die verheerenden Hungersnöte. Wieder andere verfahren im Sinn eines Biopics und beleuchten – mehr oder weniger glorifizierend oder dämonisierend – das Leben einzelner Personen wie Zar Nikolaus II., Lenin oder Rasputin (wie La Tragédie impériale, Frankreich 1932, Marcel L‘Herbier) oder auch der erfundenen Zarentochter Anastasia (USA 1956, Anatole Litvak; weitere Verfilmung des Stoffs: BRD 1956, Falk Harnack).

Literatur: Monastireva-Ansdell, Elena I.: From blooming garden to charred forrest. Images of the Revolution and the Civil War in Soviet cinema and prose. Ph.D. Thesis Bloomington, Ind., Indiana University 2002. – Schnitzer, Luda: Cinema in revolution. The heroic era of the Soviet film. London: Secker & Warburg 1973.


Artikel zuletzt geändert am 23.07.2011


Verfasser: PB


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