Lexikon der Filmbegriffe

commedia all`italiana

engl. manchmal: comedy Italian style

Die commedia all‘italiana ist ein satirisches Komödienformat, das im Italien der 1950er Jahre entstand. Vorbereitet durch die populären Filme der faschistischen Ära - vor allem die Filme Mario Camerinis -, entstanden im „rosaroten Neorealismus“ (neo-realismo rosa) der späten 1940er und frühen 1950er Jahre erste Ansätze zu einer sozial- und moralkritischen Komödie (in Filmen wie L‘Onorevole Angelina, 1947, Due soldi di speranza, 1951, oder L‘Oro di Napoli, 1954), die zwar die Unwirtlichkeiten des Alltagslebens, die reale Armut und die Klassengegensätze des zeitgenössischen Italien darstellten, aber zugleich außerordentlich optimistisch waren. Noch Luigi Comencinis Pane, amore e fantasia (1953) mit Vittorio de Sica und Gina Lollobrigida spielte im rustikalen Italien; aber schon Il seduttore (1954) oder Il moralista (1959) nahmen die Probleme der schnell wachsenden Industrialisierung und der Veränderung der Städte auf, sich so nah an die tatsächlichen Probleme Italiens anlehnend. Mario Monicellis I soliti ignoti (1958) mit Vittorio Gassmann, einer der anderen Leitfiguren des Genres, und vor allem Totò, der wie kein zweiter die inneren Konflikte Italiens zu komischen Konfrontationen entwickelte, markiert den Beginn der Hochphase der commedia all‘italiana. In der Folgezeit spielten die Filme mit Themen wie der zunehmenden Motorisierung Italiens, des aufblühenden Tourismus, der sexuellen Revolution, des Konsumismus oder auch des Fernsehens, aber immer wieder auch mit historischen Stoffen. Alberto Sordi, Vittorio Gassmann, Ugo Tognazzi, später dann Nino Manfredi und Marcello Mastroianni gaben der Bewegung ein international bekanntes Gesicht. Zu den bekanntesten Filmen rechnen L‘Armata Brancaleone (1966, Mario Monicelli), Per grazia ricevuta (1971, Nino Manfredi) und Mimí metallurgico ferito nell‘onore (1972, Lina Wertmüller). Die Arbeiten Ettore Scolas (C‘Eravamo tanti amati, 1974; La terraza, 1980; Le bal, 1983) markieren die Spätphase des Genres, wenn auch bis heute deren Elemente im italienischen Kino weiter erkennbar sind.

Literatur: Commedia all'italiana : parlano i protagonisti. Promosso e organizzato dalla Federazione Italaliana dei Circoli del Cinema [...]. A cura di Pietro Pintus. Interviste di Biarese. [Roma]: Gangemi 1985. – Giacovelli, Enrico: La commedia all'italiana. Roma: Gremese Ed. 1990. – Grande, Maurizio: La commedia all'italiana. Roma: Bulzoni 2003 (Pensare lo spettacolo. 1.). – Lanzoni, Rémi Fournier: Comedy Italian Style: The Golden Age of Italian Film Comedies. London/New York: Continuum 2008. – Pergolari, Andrea: Dizionario dei protagonisti del cinema comico e della commedia italiana. [Roma]: Un mondo a parte 2003.


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: JH


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