Lexikon der Filmbegriffe

on location

auch: location filming, location shooting

Dreharbeiten außerhalb eines Studios oder Nachbaus (also gewissermaßen „am Ort der Erzählung“) erfolgen on location. Insbesondere dann, wenn Landschaften oder Städte, an denen die Handlung spielt, signifikant und signifikativ eingesetzt werden und als besondere Orte erkennbar sind, werden sie auch als Originalschauplätze bezeichnet. Sie wurden erst nach dem 2. Weltkrieg üblich – Filme wie Roma, Città aperta (1945) wurden zum Vorbild; die Straßenaufnahmen zu Wilders The Lost Weekend (1945) wurden z.B. in den frühen Morgenstunden in New York gedreht, die Szenen in der nächtlichen Klinik im Bellevue-Hospital; Jules Dassin, der Naked City (1948) an mehr als 100 Außendrehorten in New York realisierte, verwendete sogar einseitig verspiegelte Autoscheiben, hinter denen er die Kameras verbarg, um Blicke in die Kamera zu vermeiden. Leichtere Kameras, empfindlicheres Filmmaterial, verbesserte Tonaufnahmen vereinfachten es zunehmend, die Studios zu verlassen. Mit den Programmatiken der Neuen Wellen anfangs der 1960er wurde der Dreh an Originalschauplätzen dann sogar zur ästhetischen Forderung.
Die gestalterische Aufgabe, die die Requisite zu erfüllen hat, spricht oft gegen einen Dreh on location. Der Ausstatter kann die wichtigsten Elemente des Raums auswählen, sie nebeneinander anordnen und so eine Dichte schaffen, die man in der Realität nie erzielen kann. Dagegen sind die natürlichen Objektumgebungen oft unkontrolliert und heterogen. 


Artikel zuletzt geändert am 19.07.2011


Verfasser: HJW


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