Lexikon der Filmbegriffe

film gris

frz., etwa: „grauer Film“; auch: semi-noir; selten auch: grey film

Stilistische Tendenz im amerikanischen Spielfilm der 1940er und 1950er Jahre. Typischerweise als B-Picture produziert, ist der Film Gris als Kriminalfilm angelegt, der viel Wert auf Authentizität und Faktizität legt und aus der Sicht staatlicher Institutionen wie Polizei, Strafvollzug, Spionageabwehr etc. berichtet. Dazu rechnen John Sturges‘ Mystery Street (1950), der die Rekonstruktion eines mysteriösen Mordes mit den Mitteln der Rechtsmedizin schildert, Ida Lupinos Outrage (1950) über eine Vergewaltigung und deren Aufklärung, Henry Hathaways Call Northside 777 (1948), in dem ein Reporter eine zehn Jahre zurückliegende Bluuuat wieder aufrollt, oder André de Toths Crime Wave (1954), in dem es um einen Zeugen zwischen Loyalität mit dem Gesuchten und Pakt mit der Polizei geht. Dies geschieht in der Regel auf moralisierend-didaktische Art und ist meist als Semidokumentarfilm angelegt. Entsprechend liegt der Akzent auf der Darstellung von Methoden und Arbeitsprozessen von Behörden und anderen Berufswelten. Vgl. den Film Noir, mit dem der Film Gris zwar stilistische und thematische Gemeinsamkeiten teilt; dennoch ist der Film Gris entschärft und verblasst (daher gris = grau), außerdem verzichtet er auf die zynischen Zweischneidigkeiten und den beklemmenden Pessimismus, die faszinierend komplexen Charaktere und die labyrinthischen Erzählmuster des Film Noir. 

Literatur: Maland, Charles J.: Film Gris: Crime, Critique, and Cold War Culture in 1951. In: Film Criticism 23, Spring 2002, S. 1-26. – Tuska, John: Dark Cinema: American film noir in Cultural Perspective. Westport, Conn.: Greenwood Press 1984.
 

Referenzen:

Semidokumentarfilm


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: PB


Zurück