Lexikon der Filmbegriffe

Schlagerfilm

(1) Als Genre eine – Spezialität vor allem der Bundesrepublik Deutschland in den 1950er und 1960er Jahren (seltener in der DDR) – und gewissermaßen der Nachfolger des Revuefilms aus der Zeit des Nationalsozialismus. Oft handelt es sich um eine Kreuzung zwischen Heimatfilm und Musical: Um beliebte Schlagerstars wie Freddy Quinn, Caterina Valente, Peter Alexander oder Peter Kraus werden Liebesgeschichten oder Aufsteiger- und Aufsteigerinnengeschichten so platziert, dass sie Gelegenheit zur Darbietung neuer Hits erhalten. Die Handlung erhebt nahezu keine Ansprüche, sondern hangelt sich von Auftritt zu Auftritt und ist nicht selten unfreiwillig komisch. In der Regel fehlt dem Schlagerfilm nicht nur das formale Raffinement, sondern auch die große (emotionale) Geste, die im strukturell verwandten amerikanischen Musical in ebenso rauschhaften wie berauschenden Nummern zum Ausdruck kommt.

Beispiele: Du bist wunderbar (Paul Martin, BRD 1959); Freddy, die Gitarre und das Meer (Wolfgang Schleif, BRD 1959); Liebesgrüße aus Tirol (Franz Antel, Österreich 1964).

Literatur: Hagener, Malte / Hans, Jan (Hrsg.): Als die Filme singen lernten. Innovation und Tradition im Musikfilm 1928-1938. München: Ed. Text + Kritik 1999. – Hobsch, Manfred: Liebe, Tanz und tausend Schlagerfilme. Ein illustriertes Lexikon mit allen Kinohits des deutschen Schlagerfilms von 1930 bis heute. Berlin: Schwarzkopf & Schwarzkopf 1998.

(2) In der Populärmusik bezeichnet „Schlager“ ein in Mode befindliches, allgemein bekanntes, zündendes und beliebtes Tanzlied; allgemeiner nennt man Waren, die reißenden Absatz haben, „Schlager“. Schlagerfilme sind in der bis in die 1930er Jahre verbreiteten Bezeichnung Filme, die allgemeines Publikumsinteresse gewinnen und für gute Umsätze an der Kinokasse sorgen.

Referenzen:

Blockbuster

Kassenschlager

Musicarello

Zweischlagersystem


Artikel zuletzt geändert am 15.06.2016


Verfasser: PB HHM


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