Lexikon der Filmbegriffe

Daiei

eigentlich: Daiei Motion Picture Co. Ltd.

Neben Nikkatsu, Shintoho, Shochiku, Toei und Toho gehörte Daiei in den 1950er und 1960er Jahren zu den sechs japanischen Major Studios, die den größten Teil des japanischen Marktes kontrollierten. Daiei war vollständig integriert, produzierte die Filme und wertete sie in eigenen Kinos aus. Während des Zweiten Weltkrieges wurden die japanischen Filmstudios zu zwei Firmen zusammengefasst; der Produzent Masaichi Nagata konnte die japanische Regierung zur Gründung einer dritten Firma überreden, die er Dai-Nippon Eiga (etwa: „großer japanischer Film“) nannte. Zwar wurde Nagata wegen Bestechlichkeit verhaftet und zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, doch konnte Daiei überleben. Regisseure wie Kon Ichikawa, Kenji Mizoguchi und Teinosuke Kinugasa wurden langfristig an das Studio gebunden, das sich auf historische Filme ( jidai-geki) spezialisierte. Insbesondere die Chambara-Filme mit Raizo Ichikawa, Shintaro Katsu und Tomisaburo Wakayama – Chambara ist ein populäres Subgenre des Jidai-Geki, in dem historische Vorgänge sehr aktionsreich gezeigt werden, um moderne Parallelen deutlich zu machen –, aber auch die als gewalttätig verschrieene, gleichwohl äußerst erfolgreiche Kyoshiro-Nemuri-Serie von Schwertkämpfer-Filmen mit Ichikawa sowie die Zatoichi-Serie sicherten die Rolle Daieis als eines der profitsichersten japanischer Studios der 1950er Jahre. Zu den künstlerisch anspruchsvollen Filmen des Studios rechnen neben anderen Kurosawas Rasho-Mon (1950), Mizoguchis Ugetsu Monogatari (1953) oder auch Kinugasas Jigoku-Mon (1953).
Zwar lief auch die Gamera-Serie – Gamera war eine Antwort auf Tohos Godzilla-Figur, ein weiterer Repräsentant des japanischen Monsterfilms – in den späten 1960er Jahren sehr gut, doch musste das Studio 1971 Bankrott anmelden. Die Firma wurde entfolchten, die Verleih- und Kinoabteilungen wurden selbständig, das Produktionsvolumen zurückgefahren: der Name Daiei überlebte als Name eines Verleihs. Das Studio selbst konnte nie wieder den Umfang an Produktionen erreichen, den es in seiner Glanzzeit gehabt hatte. 1974 kaufte der Großverlag Tokuma Shoten Publishing die Daiei-Reste auf; im November 2002 übernahm Kadokawa die Daiei-Reste (einschließlich einer Filmbibliothek mit über 1.600 Titeln), fusionierte den Verleih mit der eigenen Filmabteilung zu Kadokawa Daiei – der Name wurde aber schon 2004 in Kadokawa Pictures geändert. 


Artikel zuletzt geändert am 03.08.2011


Verfasser: JH


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