Lexikon der Filmbegriffe

Parodie

von griech.: parodia = Gegengesang, Gegengedicht

Erzählform, die stets einen anderen Text oder eine andere Textgattung voraussetzt: Ein vorhandenes Werk oder eine Standardform der Gattung wird unter Beibehaltung kennzeichnender Formmittel, aber mit nicht passendem Inhalt und gegenteiliger Intention verzerrend, übertreibend, verspottend nachgeahmt. Parodien benötigen insbesondere im Film jedoch nicht zwingend ein konkretes Original – die meisten vorliegenden Parodien parodieren die stereotypen Formeln ganzer Genres.
Durch das entstandene Auseinanderfallen von Form und Aussageanspruch werden komische Effekte gewonnen, die umso größer sind, je größer die Fallhöhe vom Parodierten zur Parodie ist. Allerdings will die Parodie keineswegs nur Komik erzeugen; oft ist das Lächerliche und Komische nur ein Mittel zu – bisweilen düsterer oder schriller – Gesellschafts- oder Systemkritik. Das Gelingen jeder Parodie ist darauf angewiesen, dass das Publikum den parodierten Bezugstext oder -film überhaupt erkennt. Ganz anders verfährt die Travestie, die den Bezug umkehrt und einen bekannten Stoff in eine neue, oft unangemessene, Darstellungsform fließen lässt; außerdem die Satire, die sich nicht auf ein anderes Werk, sondern auf außerfilmische Zustände der Realität bezieht; allerdings kann die Satire auch in den Techniken der Parodie realisiert werden.

Beispiele: Mud and Sand (USA 1923, Gilbert Pratt); The Fearless Vampire Killers (Großbritannien 1967, Roman Polanski); Allegro non troppo (Italien 1976, Bruno Bozzetto); Dead Men Don‘t Wear Plaid (USA 1982, Carl Reiner); Top Secret! (USA 1984, Jim Abrahams, David Zucker, Jerry Zucker); Mars Attacks (USA 1996, Tim Burton).

Literatur: Gehring, Wes D.: Parody as film genre. "Never give a saga an even break". Westport, Conn. [...]: Greenwood Press 1999. – Harries, Dan: Film parody. London: British Film Institute 2000. – Sorin, Cécile: Pratiques de la parodie et du pastiche au cinéma. Paris: L‘Harmattan 2010.

Referenzen:

Bieroper

Pastiche

Satire

Travestie (1)

Travestie (2): Transvestismus


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: PB


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