Lexikon der Filmbegriffe

Kurzfilmtage Oberhausen

auch: Westdeutsche Kurzfilmtage (1959-1990), Internationale Kurzfilmtage Oberhausen (seit 1991)

Die Kurzfilmtage Oberhausen wurden im Herbst 1954 als „Westdeutsche Kulturfilmtage“ gegründet. Das Festival avancierte unter der Leitung von Hilmar Hoffmann rasch zu einer bedeutenden Plattform sowohl für formale Experimente wie auch für politische Stellungnahmen. 1958 wurde das Motto „Weg zum Nachbarn“ eingeführt. Filme aus sozialistischen Ländern bildeten lange Jahre einen Programm-Schwerpunkt. Auch für westdeutsche Filme wurden die Kurzfilmtage wichtig. 1962 verkündeten 26 junge Filmemacher das „Oberhausener Manifest“, das den Beginn des Jungen (später: Neuen) Deutschen Films markierte. 1969 wurde die „Filmothek der Jugend“ gegründet, die als Verleih für nichtkommerzielle Spielstellen fungierte; das Projekt wurde im Jahre 2000 eingestellt.
In den 1960er und 1970er Jahren kam ein Interesse für die Dritte Welt (zunächst vor allem Lateinamerika) hinzu. Technische Neuerungen fanden früh Eintritt in das Programm – sicherlich ist auch dies ein Grund dafür, dass insbesondere junge Filmemacher immer wieder ihre Projekte in Oberhausen vorstellten. 1970 lief ein erster Film mit Computeranimation, seit 1989 gehört eine Videosektion zum festen Programmbestand. Seit den 1990er Jahren zogen in den letzten Jahren zunehmend neue Medien ins Programm ein. Der „MuVi“ ist ein eigener Preis für Musikvideos (seit 1999).
Durch die Kooperation mit ihren Medienpartnern – Arte, 3sat, KiKa – suchen die Kurzfilmtage konsequent, dem Kurzfilm neue Zuschauerschichten erschließen. ARTE und 3sat kooperieren für ihre Kurzfilmprogramme seit Jahren mit den Kurzfilmtagen, MTV strahlte im Jahr 2001 erstmals insgesamt 25 Kurzfilme aus Programmen der Kurzfilmtage aus. 2003 wurden die MuVi-Beiträge das dritte Mal online gestellt. Seit kurzem gibt das Festival das Online-Magazin „shortfilm.de“ heraus.

Literatur: Behnken, Klaus (Hrsg.): kurz und klein. 50 Jahre Internationale Kurzfilmtage Oberhausen. Mit Texten von Lars Henrik Gass, Peter Handke, Hilmar Hoffmann, Alexander Kluge, Enno Patalas, Wolfram Siebeck [...]. Ostfildern-Ruit: Hatje Cantz 2004. – Weitere Informationen: www.kurzfilmtage.de.


Artikel zuletzt geändert am 07.02.2012


Verfasser: JH


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