Lexikon der Filmbegriffe

New American Cinema

Bewegung und Stilrichtung in den späten 1950er und frühen 1960er Jahren. Hauptvertreter sind Filmemacher wie Shirley Clarke, Lionel Rogosin, Robert Frank, John Cassavetes u.a., die sich um Jonas Mekas und die Filmzeitschrift Film Culture gruppierten. Sie erklärten den moralischen und ästhetischen Bankrott des kommerziellen amerikanischen Hollywood-Kinos und verlangten stattdessen unabhängig produzierte Filme, die oft als Experimentalfilme oder experimentelle Spielfilme, als inszenierte oder fiktionalisierende Dokumentarfilme daherkommen, nicht selten mit Laiendarstellern arbeiten und Techniken des Direct Cinema übernehmen. Zu den Filmen der Strömung rechnen On the Bowery (1956) von Lionel Rogosin, der in New York spielt und Spiel- und Dokumentarelemente mischt, Shadows (1959) von John Cassavetes über rassenübergreifende Freundschaften und Beziehungen in den Beatnik-Szenen New Yorks, The Connection (1962) von Shirley Clarke über einen Regisseur, der eine Gruppe von Drogenabhängigen filmen will, die auf den Dealer und den Stoff warten, oder The Brig (1964) von Jonas Mekas, der eine fast hyperrealistische Beschreibung eines Marinecamps versucht. In der Regel mit kleinem Budget finanziert und meist auf 16mm-Film gedreht, wollen die Filme des New American Cinema poetisch, mythisch, avantgardistisch, individualistisch, ungebändigt und rau sein und damit der Filmkultur neuen Atem verleihen. In den späteren 1960er Jahren klingt die Bewegung wieder ab und löst sich zum Teil im Underground-Film auf.

Literatur: Apra, Adriano: New American cinema: il cinema indipendente americano degli anni sessanta. Milano: Ubulibri 1986. – Lewis, Jon (ed.): The new American cinema. Durham [...]: Duke University Press 1998.


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: PB


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