Lexikon der Filmbegriffe

Bibelfilm

So extravagant das Projekt klingen mag, ist doch die Verfilmung des Buchs der Bücher ein außerordentlich reizvolles Projekt: Weil die Bibel eine Fülle kanonischer Geschichten enthält, die in den westlichen Gesellschaften oft zum Allgemeingut gehören; weil manche der Geschichten zu den tiefenideologisch bedeutsamsten Geschichten des westlichen Kulturkreises gehören; weil schließlich die Schaulust des Publikums ein sicheres (und zudem über Jahrzehnte stabiles) Einspielergebnis an den Theaterkassen verspricht. So nimmt es nicht wunder, dass die Schöpfungsgeschichte (Adan y Eva, Mexiko 1956, Alberto Gout), die Geschichten von Sodom und Gomorrha (Sodoma e Gomorra, 1961, Robert Aldrich, Sergio Leone), Moses (Moses, 1975, Gianfranco de Bosio), David (David and Bathseba, 1951, Henry King; David e Golia, 1959, Richard Pottier; King David, 1985, Bruce Beresford), Samson und Delilah (Samson and Delilah, 1949, Cecil B. DeMille; 1984, Lee Philipps), der Arche Noah (Noah‘s Ark, 1928, Michael Curtiz; 1958 vertont; 1999, John Irvin), Salome (Salome, 1922, Charles Bryant; 1952, William Dieterle), Ruth (The Story of Ruth, 1960, Henry Koster), der Jungfrau Maria (Mary, Mother of Jesus, 1999, Kevin Connor), die Geschichte der zehn Gebote (The Ten Commandments, 1923, Remake 1956, Cecil B. DeMille) etc. von der Stummfilmzeit an immer wieder verfilmt worden sind (einschließlich mancher Stücke, die durch die Bibel nur angeregt sind, wie z.B. The Green Pastures, 1936, Marc Connelly, William Keighley; The Prodigal, 1955, Richard Thorpe). Doch erst der Produzent Dino de Laurentiis unternahm es in den 1960er Jahren, die Bibel als Kette von Filmen zu adaptieren (darunter Barraba, 1961, Richard Fleischer; The Bible, 1966, John Huston). Roberto Rossellini versuchte, in insgesamt fünf Teilen, die er „didaktische Fernsehfilme“ nannte, die Geschichte der Apostel zu erzählen – Atti degli Apostoli (1968). Die amerikanische Episodenserie The Greatest Heroes of the Bible (1978/79, 6 Folgen) folgte, bis der deutsche Produzent Leo Kirch die bis heute wohl ambitionierteste Bibelverfilmung in Auftrag gab – Die Bibel wurde in insgesamt 12 Teilen zwischen 1993 und 2000 realisiert.

Literatur: Campbell, Richard / Pitts, Michael:) The bible on film. A checklist 1897-1980. Metuchen, N.J.: The Scarecrew Press 1981. – Babington, Bruce, and Peter William Evans: Biblical Epics: Sacred Narrative in the Hollywood Cinema. Manchester: Manchester University Press 1993. – Runions, Erin: How hysterical. Identification and resistance in the Bible and film. London: Palgrave Macmillan 2003.

Referenzen:

Heiligenlegende

Jesusfilm


Artikel zuletzt geändert am 24.08.2014


Verfasser: JH


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