Lexikon der Filmbegriffe

Heiligenlegende

Spielart des Biopics und der Legendenverfilmung gleichermaßen. Im Zentrum steht die in mehr oder weniger gesicherten Fakten überlieferte Vita eines oder einer Heiligen der katholischen Kirche. Dabei entspricht es dem hagiografischen Zugang, dass christliche Religion, tiefe Frömmigkeit, Märtyrertum und Wundertätigkeit im Zentrum stehen (wie in Carl Theodor Dreyers La Passion de Jeanne d‘Arc, Frankreich 1928, oder in Francesco, giullare di Dio, Italien 1950, Roberto Rossellini). Freilich sind nicht alle Heiligenlegenden als Ausstattungs- und Kostümfilme konzipiert, die die Wunder der Heiligen unkommentiert hinnehmen (wie der französische Historienfilm Jeanne d‘Arc, 1999, Luc Besson, die kanadische Fernsehproduktion Joan of Arc, 1999, Christian Duguay, oder der französische Spielfilm Thérèse, 1986, Alain Cavalier, über das Leben der heiligen St. Thérèse von Lisieux). Viele Filme gewinnen ihren Reiz aus dem Anspruch, psychologisch ausdifferenzierte Charakterstudien zu sein, die die quasi mythische Verehrung der Heiligen und ihrer Wundertätigkeit hinterfragen und insofern eine Systemkritik an der katholischen Kirche implizieren (ein extremes neueres Beispiel ist Konstantin Costa-Gavras‘ Der Stellvertreter, 2001, der die Geschichte eines Priesters erzählt, der aus Protest gegen das Schweigen des Papstes zum Holocaust mit jüdischen KZ-Insassen zusammen in den Tod geht). Oder aber sie wagen die Gratwanderung zwischen realistischem Duktus und der Schilderung von Gegebenheiten, die die Realität hinter sich lassen. Ein neueres Beispiel ist Eric Tills Luther (BRD 2003), der das Leben des Reformators in einem Erzählformat wiedergibt, das nahe der Legende steht – als religiös erbauliches Drama.

Referenzen:

Bibelfilm

Legendenverfilmung


Artikel zuletzt geändert am 27.01.2012


Verfasser: PB


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