Lexikon der Filmbegriffe

sad ending

engl.: = trauriges Ende

Ein Filmende, von dem sich der Zuschauer emotional wünscht, dass es eigentlich anders ausginge. Ein Sad Ending ist in der Regel bezogen auf das Nichteintreten von Vorstellungen und das Platzen von Träumen des Protagonisten, die Frustration seiner Pläne, das Begraben von Hoffnungen oder, in einem romantischen Film, das Nichtgelingen einer Liebesbeziehung. Auch ein endgültiger Abschied, finale Trennung, mitleidheischender Kindesmord plus Selbsttötung aus sozialer und wirtschaftlicher Not (wie in Mutter Krausens Fahrt ins Glück, 1929, Piel Jutzi), eine tödliche Krankheit oder der Seemannstod des edlen Helden und Notretters (wie in Message in a Bottle, 1999, Luis Mandoki) lassen einen Filmschluss ebenso als „traurig“ oder bedrückend erscheinen wie eine melodramatische Selbstaufopferung, ein Verzicht zugunsten eines als höherwertig beurteilten Zieles (wie etwa in King Vidors Film Stella Dallas, 1937, in dem die geschiedene Mutter ihre Bindung an die über alles geliebte Tochter löst, damit diese ihren sozialen Aufstieg adäquat fortsetzen kann).
Traurige Enden können dem Zuschauer als folgerichtig und erwartbar oder gar als notwendig erscheinen, sie können ihn aber auch frustriert zurücklassen, weil seine Erwartungen düpiert wurden, und in einigen Fällen können sie ihn auf eine gleichsam höherer Gefühlebene transformieren, die ihn seltsam mild („bittersweet“) gestimmt den traurigen Schluss als akzeptable Lösung erleben lässt, wie etwa in der ästhetisch überhöhten Schlusssequenz von Thelma & Louise (1991, Ridley Scott), wenn das Fluchtauto der Protagonistinnen zum letzten Ausweg des letalen Fluges in den Canyon ansetzt. In anderen Beispielen sind Siege zugleich Niederlagen, Pyrrhussiege wie in Shichinin no samurai (1953, Akira Kurosawa); die eigenen Handlungen, das Wissenwollen des Privatdetektivs Gittes leiten eine finale Tragödie ein, wie in Chinatown (1974, Roman Polanski), und schließlich kehrt sich das eigene Wissen gegen den Protagonisten selbst, wie in der existentiell erschütternden Schlusssequenz von The Conversation (1974, Francis Ford Coppola), wenn der paranoide Abhörspezialist das Saxophon spielend in den Trümmern seines selbstzerstörten Appartements sitzt.
Charlie Chaplin hat in The Tramp (1915) seine eigene Körpersprache für ein Sad Ending kodifiziert: der Tramp watschelt mit hochgezogenen Schultern, der Kamera den Rücken kehrend, aus dem Bild. Musikeinsatz und bestimmte Formen des Voice Over (z.B. im Sinne emblematischer Phrasierungen oder berührender Letzter Worte) tragen erheblich zu dem Gesamteindruck eines Filmendes als eines Sad Ending bei.

Literatur: Christen, Thomas: Das Ende im Spielfilm. Vom klassischen Hollywood zu Antonionis offenen Formen. Marburg: Schüren 2002 (Zürcher Filmstudien. 7.). – Neupert, Richard John: The end: narration and closure in the cinema. Detroit: Wayne State University Press 1995. – Montage/AV 12,2, 2003 [Themenheft: Anfänge und Enden]. – Rabinowitz, Peter J.: End sinister: neat closure as disruptive force. In: Phelan, James (ed.): Reading narrative: form, ethics, ideology. Columbus: Ohio State University Press 1989, S. 120-131.
 

Referenzen:

Happy Ending


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: LK


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