Lexikon der Filmbegriffe

Zensur im Film

Das Motiv der Zensur findet sich in allen filmischen Gattungen, vom Spiel- über den Dokumentar- zum Experimentalfilm. Meist dient sie der Systemkritik und der Brandmarkung eines moralischen oder politischen Klimas, in dem zum so genannten „Schutz der Gesellschaft“ Zensurmaßnahmen eingeleitet und damit grundlegende Rechte der Menschheit beschnitten werden (Redefreiheit, Pressefreiheit, Meinungsfreiheit; ein neueres Beispiel ist The People vs. Larry Flint, 1996, Milos Forman, über den Herausgeber des Hustler-Magazins). Das kann in ganz verschiedenen Genres geschehen; besonders häufig sind Charakterstudien, Biopics und Doku-Dramas, die als Leidensgeschichten angelegt sind, in denen eine Künstlergestalt das Verbot künstlerischen Ausdrucks als fundamentalen Verlust von Kommunikation und schließlich als existenzielle Bedrohung erleidet (wie Mephisto, 1980, István Szabó, über einen Schauspieler in der Nazizeit). Der Thematisierung von Zensur eignet das Potenzial zur Selbstreflexion: Geschichten über die literarische Zensur vergangener Epochen können Parabeln über die aktuelle filmische Zensur sein (wie Goya, 1971, Konrad Wolf, der in dem Film auch die Zensur in der DDR zu Beginn der 1970er Jahre reflektiert). Die politische Brisanz eines derartigen Films kann so groß sein, dass er seinerseits zum Zensurfall, d.h. in seiner uneingeschränkten Aufführung behindert oder gar verboten wird. Es finden sich auch historische Überblicke z.B. über die Unterdrückung homosexueller Thematiken in der Geschichte des Hollywoodfilms (The Celluloid Closet, 1995, Rob Epstein, Jeffrey Friedman, USA 1995).

Referenzen:

Interministerieller Ausschuß für Ost/West-Filmfragen (IMA)


Artikel zuletzt geändert am 04.01.2012


Verfasser: PB


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