Lexikon der Filmbegriffe

Phi-Effekt

auch: Phi-Phänomen, Scheinbewegung

Wenn in einem dunklen Raum zwei unterschiedliche Lichtquellen A und B sehr kurz hintereinander aufleuchten, so scheint es dem Wahrnehmenden (abhängig vom Intervall des Aufleuchtens), als ob die Quelle A sich an die Stelle von B bewegt hätte. In der Wahrnehmung wird ein identisches, sich im Dunkelfeld bewegendes Objekt konstruiert, so dass die beiden isolierten Lichtreize zu einer Bewegung integriert werden können. Die so wahrgenommene Bewegung wird als stroboskopische Scheinbewegung bezeichnet. Der Phi-Effekt, also das Verlangen des Menschen nach Kontinuität und kausalen Zusammenhängen, ist der Grund dafür, dass Menschen die auf dem Film in einzelne Phasen aufgelösten Bewegung im Gehirn zu einer Gesamtbewegung zusammensetzen.
Drei wesentlich verschiedene Arten lassen sich unterscheiden: (a) Beta-Bewegung: A bewegt sich über einen leeren Raum zu B; (b) Partial-Bewegung: Beide scheinen sich aufeinander zuzubewegen; (c) Phi-Bewegung: Die Bewegung wird als solche wahrgenommen und ist nicht mehr als an ein erkennbares Objekt gebunden; darum spricht man hier auch von „reiner Bewegung“. (HJW/SL)

Literatur: Anderson, Barbara / Anderson, Joseph: The Myth of Persistence of Vision Revisited. In: Journal of Film and Video 45, Spring 1993, S. 3-12. – Kemner, Gerhard / Eisert, Gelia: Lebende Bilder. Eine Technikgeschichte des Films. Berlin: Deutsches Technikmuseum 2000.

Referenzen:

Stroboskop

stroboskopische Erscheinungen


Artikel zuletzt geändert am 10.02.2012


Verfasser: HJW SL


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