Lexikon der Filmbegriffe

Bildplatte

Als Bildplatte bezeichnet man ein Speichermedium, bei dem Video- und Ton-Daten in einem Analog-Verfahren auf einer rotierenden Platte aufgezeichnet wurden. Im Lauf der Jahre entstanden mehrere verschiedene Typen:

– Die Television Disc (TED) wurde im Juni 1970 von einem deutsch-britischen Firmenkonsortium (AEG-Telefunken, Teldec und Decca) vorgestellt. Die Platte bestand aus einer dünnen, flexiblen Kunststoffscheibe und bot auf jeder Seite Speicherplatz für etwa 10min SW-Tonfilm (ab 1973 auch Farbfilm); sie wurde mit einer Diamantnadel abgetastet, rotierte dabei auf einem Luftkissen mit 1500U/min. Ein Plattenspieler wurde in der BRD 1973 vorgestellt, aber erst 1975 ausgeliefert. Der hohe Preis, aber auch die technische Empfindlichkeit des Systems führten dazu, dass das TED-System schon Mitte der 1970er wieder verschwand.
– Die Laserdisc (oft auch: Laserdisk) war eine von Philips verantwortete Weiterentwicklung des TED-Systems, das 1980 vorgestellt und als Video-Longplay (VLP; auch: Philips Laser Vision; auch: Philips and MCA Videodisc System) von Philips und Sony vermarktet wurde. Die Platten wurden hier mit einem Laser abgetastet, wobei die Signale weiterhin analog auf der Platte untergebracht waren; sie waren durch eine glatte Schutzschicht vor mechanischer Beschädigung geschützt. Eine Bildplatte (Durchmesser: 30cm) konnte 54.000 Standbilder (oder: 34min Tonfilm) aufnehmen. Sie war mit einer spiralförmigen Spur (ähnlich der Schallplatte) bespielt. Es entstand zwar eine kleine Sammlerszene, doch spielte das System in der Vermarktung von Filmen keine Rolle.
Selectravision (SelectraVision Videodisc System; auch: RCA Needle Vision) war ein rillengeführtes Verfahren, das RCA am 22.3.1981 auf den Markt gebracht hatte. Ähnlich wie VLP und VHD konnte man die Platten nur zur Wiedergabe nutzen.
– Dagegen war das von JVC und Matsushita schon 1978 vorgestellte, aber erst 1983 vertriebene Video High Density (VHD) rillenlos. Das Verfahren ähnelte dem gleichzeitig entwickelten VISC-System (auch: Visc-O-Pac), das auf einer 23cm-Platte immerhin 60min Farbfilm unterbringen konnte; es nutzte aber ein mechanisches Aufzeichnungsverfahren (das dem älteren TED-System ähnelte, aber mit nur 300-700U/min auskam).
Alle Videoplattenverfahren konnten sich gegen die gleichzeitig aufkommenden Videoband-Verfahren (Video 2000, Beta, VHS) nicht durchsetzen und verschwanden ausnahmslos bald wieder vom Markt.

Weitere Informationen: http://disclord.tripod.com/vhddiscworld/index.html

Literatur: Isailović, Jordan: Videodisc systems. Theory and applications. Englewood Cliffs, NJ: Prentice-Hall 1987. – Braun, Hans / Messelken, Hans (Hrsg.): Die Laser-Bildplatte als interaktives Lernmedium und Informationssystem. Bonn: Verlag-Anstalt des Deutschen Beamtenbundes / Deutscher Beamtenverlag 1987.

Referenzen:

Laserdisc


Artikel zuletzt geändert am 14.01.2012


Verfasser: JH


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